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Wir über uns

Wir über uns

Die Zukunft gestalten: Ein Partner für viele Bereiche

Direktor Dipl.-Ing. Dr. Stefan Haas, CEO TÜV AUSTRIA HOLDING AG (Credit: Gerhard Zahalka, Standlaufbild.at)
Direktor Dipl.-Ing. Dr. Stefan Haas, CEO TÜV AUSTRIA HOLDING AG

Mehr als 1.400 Experten der TÜV AUSTRIA Gruppe arbeiten für unsere Kunden in über 40 Ländern.

Unsere maßgeschneiderten Dienstleistungen in 270 Servicekompetenzen umfassen die Bereiche Industrial Services, Prüfung, Überwachung, Zertifizierung, IT-Security, Versicherungsdienstleistung und Aus- & Weiterbildung.

Die internationale Ausrichtung der TÜV AUSTRIA Gruppe und die Vielzahl an Berechtigungen (national und international) machen TÜV AUSTRIA zu Ihrem kompetenten, sicheren und verlässlichen Partner.

Um es in den Worten von Friedensnobelpreisträger Willy Brandt zu sagen: "Der beste Weg, die Zukunft vorauszusagen, ist, sie zu gestalten."

Direktor Dipl.-Ing. Dr. Stefan Haas

CEO TÜV AUSTRIA HOLDING AG


Dr. Stefan Haas, CEO TÜV AUSTRIA, über Energieeffizienz, Industrie 4.0 und Innovationen.
Dr. Stefan Haas, CEO TÜV AUSTRIA, über Energieeffizienz, Industrie 4.0 und Innovationen.

Stefan Haas, CEO der TÜV AUSTRIA Gruppe, über die neue Rolle des TÜV als „Geburtshelfer“ bei der Entwicklung industrieller Technologien und über die Notwendigkeit, Energieeffizienz ernst zu nehmen.

von Alexander Kohl, Business People

Die Geschichte von TÜV AUSTRIA begann vor 143 Jahren als „Dampfkesseluntersuchungs- und Versicherungsgesellschaft“. Seither hat sich viel getan …

Das stimmt – unsere Gründung fällt in die Phase der ersten industriellen Revolution. Wir sollten damals als Entwicklungsbegleiter für die Industrie auftreten, weil die Dampftechnologie in der Einführungsphase einige Schwierigkeiten hatte. Heute reden so viele über Industrie 4.0; wir waren schon bei Industrie 1.0 dabei.

Wie ist die Rolle des Unternehmens heute, eine Art „TÜV 4.0“?

Es geht für uns schon längst nicht mehr ausschließlich um Prüfen, Überwachen und Inspektion. Wir wollen Technologiebegleiter sein. Industrie 4.0 ist jetzt in Entwicklung.

 

Noch gibt es keine Normen oder Regelwerke, nach denen man Prüfungen vornehmen könnte, sie entstehen erst. So lange möchten wir aber nicht warten. Wir wollen von Anfang an dabei sein, damit die Herausforderung bewältigt werden kann.

Wo liegen diese Herausforderungen konkret?


Einerseits hat man in der Idee von Industrie 4.0 durch die Vernetzung der Produktion enorme Vorteile hinsichtlich Flexibilität. Andererseits ist aber das Gesamtsystem wesentlich angreifbarer. Es ist eine Sicherheitsdebatte zu führen, die auf völlig neuem Niveau steht. Spätestens seit dem Stuxnet-Virus 2010 wissen wir, dass auch Industriesteuerungen anfällig sind gegenüber Angriffen von außen.

Stellen Sie sich einmal vor, was in einer total vernetzten Produktionskette passiert, wenn ein Element in dieser Kette durch einen Hackerangriff oder Industriespionage nachhaltig gestört wird. Produktion ist heute einem dramatisch höheren Risiko ausgesetzt. Und diesem müssen wir aktiv begegnen.

Im Moment ist die Industrie voll im 4.0-Hype. Wie hoch ist die Sensibilität auch für Themen der IT-Sicherheit?

Das Problem wird meiner Meinung nach viel zu wenig wahrgenommen, muss aber sehr wohl im Auge behalten werden: Eine vollautomatische Fabrik ist das Paradies schlechthin für jeden Hacker. Da einzudringen, werden viele versuchen – manchen wird es auch gelingen. Mit zum Teil verheerenden Folgen. Daher muss jetzt konzeptionell an die Sache herangegangen werden – vom ersten Glied der Entwicklungskette an. Neben der IT-Sicherheit geht es da auch um die physische Sicherheit. Etwa bei den neuesten Mensch-Maschine-Montagen. Diese Innovationen sind faszinierend: Schwerstlasten werden von Robotern gehoben, während der Mensch an einem anderen Teil des Werksstücks Feinmontagen erledigt. Früher hatte jeder seine eigenen Schutzräume. Nun verschmilzt beides. Damit gilt es jedoch viel höhere Sicherheitslevel zu garantieren als heute.

Was macht TÜV AUSTRIA, um dieses neue Level aufzubereiten?

Wir wollen Geburtshelfer der Technologien sein, die hier nötig sind. Auch bei den Kommunikationsstandards. Die vollautomatischen Maschinen müssen ja miteinander kommunizieren. Wie und unter welchen Parametern, das ist aktuell die große Frage. Derzeit läuft ein Standardisierungswettstreit zwischen amerikanischen und deutschen Unternehmen. Wer auch immer den Standard letztlich entwirft, er muss IT-Sicherheitsthemen von vorneherein berücksichtigen. Das werden wir beobachten und einfordern.

Wo liegen die größten Schwachstellen der vollautomatischen Fabrik und wie können Unternehmer vorbeugend agieren?

Wenn sämtliche Objekte in einer Fabrik flexibel zusammenarbeiten sollen, brauchen sie eine eindeutige Identifizierung: Maschine, Werkstück, Rohstoff – jedes Objekt muss lokalisier- und erkennbar sein, etwa mit eigenen IP-Adressen. Heute bedeutet aber genau das: Angreifbarkeit. Man muss also sein Produktionssystem von Beginn an so designen, dass Sicherheitslücken auszuschließen sind: entsprechende Mechanismen einbauen, interne Netzwerke bevorzugen, Protokolle abfragen etc.

Wann rechnen Sie mit dem flächendeckenden Durchbruch von 4.0?

Ich glaube nicht an eine völlige Revolution, wie das viele vermuten, es wird ein evolutionäres Verändern.Ich erwarte nicht, dass die Unternehmen in einer Dekade völlig anders produzieren als heute. Aber das eine oder andere Element aus 4.0 wird schon zur Anwendung kommen. Es ist der alte Traum der Industrie von der Losgröße eins. Der Traum aller Lean-Managementexperten, effizient für jeden einzelnen Kunden zu produzieren, ohne Kostennachteil. Industrie 4.0 ist das Vehikel, um dorthin zu kommen. Daher wird diese „(R)Evolution“ auch nicht mehr aufzuhalten sein.

Ein weiteres Thema, mit dem sich die heimische Industrie und Wirtschaft derzeit herumschlagen, ist die „Energieeffizienz“. Mit dem neuen Gesetz dazu soll diese nun auch in Österreich auf den Weg gebracht werden.

Ja, das sollte sie, aber – gestatten Sie mir den Einwurf: Ich bin sehr skeptisch, ob das Gesetz dazu der richtige Anstoß war.

Warum?

Der Weg wird in Österreich von der völlig falschen Seite beschritten. Wichtig wäre, dass Unternehmen die Chancen von Energieeffizienz erkennen. Ich komme aus der Industrie und weiß, dass eine Beschäftigung mit diesem Thema einen enormen Hebel haben kann – Einsparungen im Millionenbereich sind mit verhältnismäßig geringem Aufwand erzielbar. Wenn das den Marktteilnehmern nun aufgezwungen wird, sehe ich die Gefahr, dass sich viele nur auf die Einhaltung der Gesetze und das Erhalten von Nachweisen konzentrieren könnten, aber nicht losziehen und das Potenzial tatsächlich heben.

Derzeit gibt es zum Energieeffizienz-Gesetz (EEffG) einige weitere Unsicherheiten. Sowohl die Richtlinien-Verordnung als auch die zuständige Monitoringstelle fehlen noch …


Richtig. Wir bekommen sehr viele Anfragen dazu, aus den verschiedensten Branchen. Als TÜV AUSTRIA werden wir unseren Kunden auch helfen, das Gesetz umzusetzen. Wir vermuten aber jetzt schon, dass es den Unternehmen weniger darum gehen wird, wirklich Energie zu sparen, als genau das EEffG zu erfüllen. An diesem Punkt lohnt sich auch ein Blick nach Deutschland. Dort ist das Thema in der Industrie ganz anders angekommen, es wird wirklich darum gekämpft. Der Gesetzgeber hat entschlossener agiert und Energieeffizienz viel stärker ins Bewusstsein gerückt. Österreich hinkt da leider hinten nach.

Wo sehen Sie in einem klassischen Betrieb die Anknüpfungspunkte, Energie zu sparen?

Es gibt endlos viele Möglichkeiten. Sämtliche Produktionszyklen können verbessert werden: Abwärme, Motoren, Supply Chains. Beleuchtung ist ein Thema – vor allem die Ausnutzung von Tageslicht. Zuletzt spielt auch das Fuhrparkmanagement eine Rolle. In der produzierenden Industrie wird aber oft das signifikanteste Thema außer Acht gelassen: die Produktgestaltung, das Design. Wie viel Energie kann man durch geringe Adaptionen am Produkt einsparen? Da lohnt sich wirklich ein Blick hinter die Kulissen. Wir sind hier wieder gerne von Beginn an dabei, denn gerade in diesem Umfeld gibt es Raum für die bahnbrechendsten Innovationen.

Dr. Stefan Haas, CEO TÜV AUSTRIA Gruppe, studierte an der Technischen Universität Wien und ist anerkannter Maschinentechniker: Empfänger des Niederösterreichischen Innovationspreises und, neben weiteren Auszeichnungen, des weltweit begehrten European Railroad Awards für die Entwicklung einer linearen Wirbelstrombremse: "Wir sehen auch einen gesellschaftspolitischen Auftrag, Innovation in Summe zu unterstützen."
Dr. Stefan Haas, CEO TÜV AUSTRIA Gruppe, studierte an der Technischen Universität Wien und ist anerkannter Maschinentechniker: Empfänger des Niederösterreichischen Innovationspreises und, neben weiteren Auszeichnungen, des weltweit begehrten European
Auf YOU TUBE: Prof. Wilhelm Exner war 1872 einer der Gründungsväter der „Dampfkesseluntersuchungs- und Versicherungsgesellschaft auf Gegenseitigkeit“, die sich heute zur multinationalen TÜV AUSTRIA Gruppe entwickelt hat.
Auf YOU TUBE: Prof. Wilhelm Exner war 1872 einer der Gründungsväter der „Dampfkesseluntersuchungs- und Versicherungsgesellschaft auf Gegenseitigkeit“, die sich heute zur multinationalen TÜV AUSTRIA Gruppe entwickelt hat.
Dr. Stefan Haas, CEO TÜV AUSTRIA, im Gespräch mit Experten und Technikern im TÜV AUSTRIA Prüfzentrum in Wien, Foto: Gerhard Zahalka, standlaufbild.at
Dr. Stefan Haas, CEO TÜV AUSTRIA, im Gespräch mit Experten und Technikern im TÜV AUSTRIA Prüfzentrum in Wien, Foto: Gerhard Zahalka, standlaufbild.at
TÜV AUSTRIA CEO Dr. Stefan Haas (r) beim Besuch in einem Test-Labor der TÜV AUSTRIA-OMV Akademie Weinviertel in Gänserndorf, Foto: Rainer Hackstock.
TÜV AUSTRIA CEO Dr. Stefan Haas (r) beim Besuch in einem Test-Labor der TÜV AUSTRIA-OMV Akademie Weinviertel in Gänserndorf, Foto: Rainer Hackstock.
Entwickelt von der TÜV AUSTRIA Konzerntochter TÜV TRUST IT, validiert der AppChecker mobile Applikationen für den Einsatz in Unternehmen.
Entwickelt von der TÜV AUSTRIA Konzerntochter TÜV TRUST IT, validiert der AppChecker mobile Applikationen für den Einsatz in Unternehmen.

TÜV AUSTRIA im Imagewandel: Mit der Vergabe ihres mittlerweile zweiten Wissenschaftspreises möchte die Prüf- und Zertifizierungsstelle TÜV AUSTRIA “ein kleines Ausrufezeichen” in der heimischen Innovationslandschaft setzen - nicht zuletzt, um sich vielseitiger zu positionieren, als sie oft wahrgenommen wird.

Warum das Unternehmen trotz rund 300 angebotener Dienstleistungen noch immer hauptsächlich mit Pickerlüberprüfungen verbunden wird und wie es seinen einst “staatlichen Charakter” durch ein zeitgemäßeres Bild ersetzen möchte, erzählte der seit März 2013 neu im Amt befindliche Geschäftsführer der TÜV AUSTRIA HOLDING AG, Stefan Haas, im Gespräch mit APA-Science.

Von Mario Wasserfaller, APA-Science

Obwohl die jährliche §57a-Begutachtung für Autos, landläufig “Pickerl” genannt, für den TÜV AUSTRIA mit weniger als einem Prozent des Umsatzes zu Buche schlage, halte sich die Assoziation “TÜV=Pickerl” hartnäckig in den Köpfen der Menschen. “Das kommt aus Deutschland, wo die regelmäßig wiederkehrende Überprüfung von Fahrzeugen eben den TÜVs und den Dekras (ebenfalls zertifizierte Prüfgesellschaften; Anm.) überlassen ist”, erklärte Haas den Unterschied zu Österreich, wo im Grunde jede Autowerkstatt zur Pickerl-Überprüfung berechtigt ist. Auch die Tatsache, dass der TÜV Austria ein gesellschaftsrechtlich unabhängiges Unternehmen ist und mit den verschiedenen deutschen Technischen Überwachungsvereinen nicht mehr als den Namen gemeinsam hat, dürfte noch nicht im Bewusstsein der österreichischen Konsumenten angekommen sein.

Historische Wurzeln

Die Verwirrung liege auch in der gemeinsamen historischen Wurzel der TÜVs begründet, so Haas. Verheerende Dampfkessel-Explosionen mit vielen Toten und eingestürzten Gebäuden ließen im Zuge der industriellen Revolution im 19. Jahrhundert den Ruf nach unabhängigen Prüfinstituten lauter werden, “um diese damals noch relativ neue und gefährliche Technologie sicher beherrschen zu können”. In Österreich fiel der Startschuss für die “Dampfkesseluntersuchungs- und Versicherungsgesellschaft auf Gegenseitigkeit” im Jahr 1872. Parallel wurden auch in Deutschland in den industriellen Ballungszentren einschlägige Institute gegründet, die im Lauf der Zeit ihre Expertise von den Kesseln sukzessive auf weitere Technologiefelder erweiterten, bis hin zum Automobil.

Nach dem “Anschluss” Österreichs an das Deutsche Reich wurde auch die österreichische Prüfgesellschaft in die deutsche integriert, damit gab es dann einen einzigen deutschen TÜV. Die Organisation wurde in dieser Form nach dem Zweiten Weltkrieg zerschlagen, aber der Markenname blieb.

“Die deutschen TÜVs haben mit dem österreichischen TÜV seitdem nur den Namen gemeinsam”, erklärte Haas. Dadurch stünden die einzelnen TÜVs nun auch untereinander im “durchaus intensiven” Wettbewerb.

Duale Strategie

Heute fährt der TÜV AUSTRIA mit mehr als 1.300 Mitarbeitern und einem jährlichen Umsatz von ca. 130 Mio. Euro eine duale Strategie. “Zunächst einmal geht es darum, den Heimmarkt weiter zu festigen und ständig auszubauen. Und das zweite Standbein ist die internationale Expansion, wo wir wie in der Vergangenheit auch die Wachstumschancen, die der internationale Markt bietet, weiter nutzen wollen”, so Haas. In über 30 Ländern sei man bereits tätig, “und es werden ständig mehr”, auch um österreichische Unternehmen bei ihren Expansionsbestrebungen im Ausland umfassend zu begleiten.

Ein wichtiges Anliegen ist es Haas, den TÜV AUSTRIA verstärkt als das zu präsentieren, was seinem tatsächlichen Leistungsspektrum entspricht und mit einigen Mythen aufzuräumen. Vor der Liberalisierung des Marktes durch die EU seien Prüf- und Inspektionsdienstleistungen “praktisch monopolistisch” geregelt gewesen, was sich in der öffentlichen Wahrnehmung bis heute festgesetzt habe. “Das ist schon lange nicht mehr richtig”, betonte Haas, der von einem dramatischen Wandel des TÜV AUSTRIA spricht, vom staatlichen Monopolisten zu einem Unternehmen, das völlig im freien Wettbewerb stehe.

Aufzüge und “AppChecker”

Rund 300 Dienstleistungen umfasst das Portfolio des Unternehmens, das jährlich rund 400.000 technische Überprüfungen durchführt. Der klassische Kernbereich wie die Prüfung von Aufzügen, Druckgeräten, Hebe- und Fördereinrichtungen werde ständig um neue Felder wie etwa Medizintechnik erweitert.

Zusätzlich biete man mittlerweile eine breite Palette zum Thema IT-Sicherheit an, darunter auch sogenannte Penetrationsanalysen, also das “geplante und erlaubte” Hacken von Unternehmensnetzwerken oder Smartphones, um Schwachstellen zu finden. Für die Überprüfung von Applikationen von Smartphones wurde etwa ein eigener Service, der “AppChecker” geschaffen.

Dass seitens der Industrie immer wieder die Flut an Normen, verpflichtenden Zertifizierungen und Inspektionen ihrer Anlagen kritisiert wird, kann Haas bis zu einem gewissen Grad verstehen. Andererseits habe sich die Situation durch die Marktliberalisierung in der EU und den dadurch stärkeren Wettbewerb “signifikant verbessert”, weil auch das Preisniveau gefallen sei: “Die Dienstleistungen, wie sie wir erbringen, waren früher monopolartig geregelt, das heißt, die Industrieunternehmen hatten genau einen Anbieter. Es gab eine Gebührenverordnung und das war es dann, die Preise waren entsprechend hoch.”

 

Hinzu komme ein Schutzbedürfnis der Konsumenten, die sich sichere Produkte wünschen würden, die auch funktionieren sollen. “Und da ist der Gesetzgeber gefragt, in Österreich und auch in der EU entsprechende Vorschriften zu treffen im Interesse der Konsumenten. Denn die Interessen der Konsumenten sind ungleich zu den Interessen der Industrie”, so Haas.

Verfahren auf dem Prüfstand

Doch nicht nur die Industrie, auch der TÜV AUSTRIA selbst sei gefordert, sich ständig weiter zu entwickeln und die Standards hoch zu halten. Immer wieder beschäftige man sich mit neuen Prüfverfahren, etwa wie man Behälter mit weniger Zeitaufwand zerstörungsfrei prüfen kann. “Hier waren wir extrem aktiv in den letzten Jahren und wir sehen auch einen gesellschaftspolitischen Auftrag, Innovation in Summe zu unterstützen und vor allem ein innovationsfreundliches Klima zu erzeugen.”

Forschung und Entwicklung ziehen sich auch durch die persönliche Biographie von Haas, der als Assistent an der Technischen Universität (TU) Wien, an der Christian Doppler Forschungsgesellschaft (CDG) und bei Knorr Bremse tätig war. Für die Entwicklung einer linearen Wirbelstrombremse erhielt er unter anderem den Innovationspreis des Landes Niederösterreich und den European Railroad Award.

So befriedigend der Prozess des Innovierens und die Anerkennung dafür auch sei, so klar sei auch, dass man mit einem Wissenschaftspreis wie jenem des TÜV AUSTRIA “die Forschungsgesellschaft nicht völlig auf den Kopf stellen kann”. Aber man könne doch dokumentieren, “dass es auch einem Unternehmen der freien Wirtschaft wichtig ist jungen Forschern, jungen Technikern eine Plattform zu geben und auch außergewöhnliche Leistungen zu honorieren, damit der Stellenwert von Innovation in der Öffentlichkeit größer wird.”

Außeruniversitärer Hebel

Zwar habe Österreich in puncto Forschungsquote in jüngster Zeit ein wenig aufgeholt, aber das Thema “sollte uns noch mehr wert sein als in der Vergangenheit”. Die außeruniversitäre Forschung, vor allem in der Industrie, hält Haas für einen wesentlichen Hebel, weil sie einen Doppelnutzen habe: “Die Forschung, die dort betrieben wird, findet sehr schnell Einzug in neue Produkte und Dienstleistungen, das hilft der österreichischen Wirtschaft, am Weltmarkt erfolgreich zu bleiben. Das steuerlich zu fördern, dass Unternehmen eben Geld entsprechend einsetzen, halte ich für ein ganz wesentliches Thema.”

Persönlich würde sich Haas eine stärkere Zusammenarbeit zwischen der Industrie, privaten und universitären Forschungseinrichtungen wünschen, wie es beispielsweise in den USA der Fall sei. “Je besser die Verzahnung zwischen der Industrie und der Universität, desto mehr wird man letztlich auch an Forschungsquote zusammenbringen und das ist dann auch für die Wirtschaft enorm wichtig”, sagte der Experte.

Am derzeit in vielen Industrieländern bestehenden Fachkräftemangel erkennt Haas zwei Seiten: “Einerseits ist es ein Zeichen dafür, dass die Beschäftigung nicht schlecht ist, dass es also genug Arbeit gibt für qualifizierte Leute, das könnte man als positives Signal werten. In Wirklichkeit ist es aber ein negatives Signal, weil das bedeutet, dass hier Angebot und Nachfrage nicht zusammenpassen.” Das Problem sieht Haas unter anderem darin, dass technische Ausbildungswege für die Jugend nicht attraktiv genug seien, was vielleicht auch etwas mit der gesellschaftspolitischen Stellung dieser Art der Fachkräfte zu tun habe - und wofür Wissenschaftspreise wiederum eine zusätzliche Motivation sein könnten.

Company Profile

Der österreichische TÜV ist ein internationales Unternehmen mit Niederlassungen in mehr als 40 Ländern der Welt. TÜV AUSTRIA beschäftigt über 1.400 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und erwirtschaftet ca.150 Mio. Euro Umsatz. Das Leistungsspektrum reicht von der Managementsystem-Zertifizierung über Prüfungen von Aufzügen und Druckgeräten, Anlagensicherheit, Aus- und Weiterbildung, Medizintechnik, Elektrotechnik, umweltschutztechnische Gutachten, Schallschutzgutachten, Carbon Footprint-Evaluierungen, IT-Security, Loss Adjustments, AppChecks, alle Arten von Zertifizierungen und Kalibrierungen, Produktprüfungen, technischer Due Diligence und Legal Compliance Checks bis zu Prüfungen von Bühnen-, Photovoltaik- und Windkraftanlagen.

Fachkompetenz

Seine mehr als 1300 vorwiegend technischen Mitarbeiter sind aufgrund ihrer Erfahrung, Aus- und Weiterbildung kompetente Partner in allen Fragen der technischen Sicherheit, der Qualität und des Umweltschutzes. Durch seine Tätigkeit in zahlreichen nationalen und internationalen Gremien und einschlägige Forschungstätigkeit ist der TÜV stets über aktuelle Entwicklungen informiert.

Objektivität / Integrität

Der TÜV AUSTRIA ist unabhängig und steht in keinem wirtschaftlichen Nahe- oder Abhängigkeitsverhältnis zu Behörden, Industrie, Handel, Gewerbe, Betreibern oder anderen Parteien.

Weltweite Anerkennung

Die vom TÜV AUSTRIA erstellten Dokumente werden im gesamten Europäischen Wirtschaftsraum und weit darüber hinaus anerkannt. Dies bedeutet für unsere Kunden Rechtssicherheit und Akzeptanz in der Wirtschaft, bei Behörden und in der Öffentlichkeit.

EU-Prüfstelle

Hersteller können sich auch für eine Europazulassung an den TÜV AUSTRIA wenden.

Wirtschaftliche Gesamtpakete

Die Übertragung mehrerer Aufgaben an den TÜV AUSTRIA ermöglicht Synergieeffekte und dadurch wirtschaftlich attraktive Gesamtpakete.

Hohe Verfügbarkeit

Die Leistungserbringung durch den TÜV AUSTRIA ist nicht von einzelnen Personen abhängig. Teams von kompetenten Einzelexperten gewährleisten eine hohe Verfügbarkeit.

Qualitätsgesicherte Leistungen

Durch die Organisation und das Qualitätsmanagement des TÜV AUSTRIA ist eine einheitliche Vorgangsweise in der Abwicklung sämtlicher Tätigkeiten gewährleistet, unabhängig davon, von welcher Geschäftsstelle sie aufgeführt werden.

Örtliche Nähe

TÜV AUSTRIA bietet in Österreich eine flächendeckende Betreuung seiner Kunden. In seiner Internationalisierung folgt TÜV AUSTRIA den definierten Fokusregionen: von Ägypten bis Singapur verfügt die TÜV AUSTRIA Gruppe über ein dichtes Netzwerk an Standorten und Repräsentanten.

Meßgeräte und Prüfeinrichtungen

Der TÜV AUSTRIA bringt in seinen beiden Prüfzentren in Wien und Wels und vor Ort eine große Anzahl modernster hochwertiger, geeichter bzw. kalibrierter Meßgeräte und Prüfeinrichtungen zum Einsatz.

Ein Partner für alle Fälle

Die vier Geschäftsfelder spiegeln die Weltmärkte wider, sodass TÜV AUSTRIA die Bedürfnisse der Kunden aus allen Branchen besser bedienen kann. Ob Hausverwaltung, Energieunternehmen, Bank oder Lebensmittelproduzent, ob Prüfung, Begleitung oder Ausbildung – je nach Anforderung schnürt ein Ansprechpartner den Kunden über die verschiedenen Angebote aus dem Portfolio von TÜV AUSTRIA informieren und diese zu einer übergreifenden Paketlösung.

(C) Fotolia

Schutz der Umwelt, verbunden mit vernünftiger Nutzung von Energie unter Schonung der Ressourcen, ist zur zentralen Herausforderung unserer Zeit geworden. Sie definieren Zukunft und Lebensqualität für kommende Generationen.

Industrie, Mobilität und Umweltschutz müssen keineswegs Widersprüche darstellen. Grundbedingung dafür ist jedoch eine ganzheitliche Betrachtung von Technologien, ihren Auswirkungen und ihrer Akzeptanz durch die Öffentlichkeit. Die Komplexität der Fachmaterien und die dahinterstehenden Regelwerke stellen höchste Anforderungen an alle Betroffenen. Das gilt gleichermaßen für die Gesetzgebung und die Behörden, aber insbesondere für die Wirtschaftstreibenden im Hinblick auf die Bereitstellung der notwendigen finanziellen Mittel.

Integrierte Lösungen:

Der Weg zu nachhaltigen und verantwortlichen Lösungen ist dabei nicht immer leicht. Die Herausforderung von morgen liegt in neuen, integrierten Lösungen, die nachhaltig Umwelt und Ressourcen schonen und gleichzeitig die technologische und wirtschaftliche Wettbewerbsfähigkeit steigern. Wesentliche Anforderungen in diesem Bereich lassen sich etwa durch die Schlagwörter "Sustainable Development" und "Clean Technologies" umschreiben. Aufbauend auf klaren rechtlichen Strukturen, Berechtigungen sowie personellen und technischen Voraussetzungen bietet der TÜV AUSTRIA ein ebenso tiefes wie breites Dienstleistungsangebot.

Langjährige Erfahrung:

Auch im Bereich Umwelt verfügt der TÜV AUSTRIA über umfangreiches Know-how wie über langjährige Erfahrung. Referenzprojekte reichen vom Öko-Audit und der Zertifizierung von Umweltmanagementsystemen für die Papierfabrik Steyrermühl oder Chrysler Eurostar bis zum Umweltgutachten für Kraftwerksbauten im In- und Ausland. Ob OMV, Voest Linz oder Swarowski - der TÜV bringt Umweltschutz und unternehmerische Interessen auf einen gemeinsamen Nenner.

Für den TÜV AUSTRIA steht der Kundennutzen an erster Stelle. Die Kundenbetreuung hat höchste Priorität und basiert auf hoher Problemlösungskompetenz, Kommunikationsfähigkeit und Objektivität. In diesem Zusammenhang wird auf Beratung, Know-how und Orientierungswissen zur aktiven Risiko- und Problemminimierung ebenso geachtet wie auf Sicherheit und Verfügbarkeit von Anlagen und Geräten. Der TÜV sorgt dafür, dass technischer Fortschritt und Erfindergeist zum Wohl der Gesellschaft genützt und akzeptiert werden. In Bezug auf technische Sicherheit, Qualität und Ressourcenschonung nimmt der TÜV eine Führungsposition ein.

Damit kann die TÜV AUSTRIA Gruppe auf nahezu jedem Sektor der Wirtschaft maßgeschneiderte Dienstleistungen für die Bereiche Prüfen, Überwachen, Zertifzieren, Beraten und Ausbilden anbieten.

Erfahrung in Zahlen:

Das Maß an Erfahrung, über das der TÜV AUSTRIA verfügt, läßt sich am besten in Zahlen darstellen. So hat der TÜV AUSTRIA etwa 95.000 medizinische Geräte, je 80.000 Aufzüge und Hebezeuge und 300.000 Druckgeräte (Dampfkessel, Druckbehälter, Flaschen und Armaturen) in ständiger Überwachung. Die Palette der Prüfobjekte reicht vom Kleinmotorrad bis zum Gefahrenguttransporter, vom Tragegut bis zum Seilbahntragseil, vom Kinderfahrrad bis zur Achterbahn, vom Go-Kart bis zum Rettungswagen, vom Druckkochtopf bis zum Großkraftwerk, vom Flüssiggastank bis zur Ölraffinerie, vom Einweghandschuh bis zur Operationsaalausrüstung, vom beweglichen Luster bis zur Bühnenmaschinerie.

Die zahlreichen Spezialisten des TÜV AUSTRIA kommen weltweit zum Einsatz.


Geschichte und Entstehung

Am 11.Juni 1872 fanden sich Vertreter der Industrie und technische Fachleute zusammen und riefen die „Dampfkessel-untersuchungs- und Versicherungsgesellschaft auf Gegenseitigkeit“ ins Leben riefen. Begeben Sie sich mit uns auf eine Zeitreise um Entstehung und Entwicklung des TÜV AUSTRIA besser zu verstehen.

TÜV AUSTRIA Zeitleiste 1872-2012

1871: Durch das Reichsgesetzblatt Nr. 112 vom 7.7.1871 verzichtete die Regierung auf ihr Hoheitsrecht und gestattete damit die Kesselaufsicht durch Organe einer privaten Gesellschaft.

1872: Gründung der "Dampfkesselversuchs- und Versicherungs-Gesellschaft auf Gegenseitigkeit" von Betreibern von Dampfkesselanlagen im Juni in Wien.

1875: Überwachung von bereits 3.000 Kesseln.

1889:
In der Monarchie gibt es bereits 27 technische Inspektorate aktiv.

1905: Mit der Ministerialverordnung RGBL. Nr. 176 vom 23.11.1905 wurde die Prüfpflicht für Aufzüge, Hebezeuge, Schlag- und Fallwerke in gewerblichen Betrieben eingeführt. Seitdem prüft TÜV AUSTRIA regelmäßig Aufzüge und Hebezeuge.

1910: Der TÜV ist mit 1.500 Technikern die größte Gesellschaft Europas. Wilhelm Exner ist maßgeblich am Gesetzeswerk zum Untersuchungs- und Materialprüfungswesen beteiligt, dem Reichsgesetzblatt Nr. 185 von 9.9.1910, das als "Lex Exner" in die Geschichte eingeht.

1921: Der Zerfall des TÜV nach dem Ersten Weltkrieg. Er umfasst nunmehr 21 Mitarbeiter.

1938: Bezug der heutigen Zentrale in der Krugerstraße 16.

1945: Zerstörung der Zentrale. Wiederbeginn mit 32 Angestellten.

1955:
Wiederherstellung der Zentrale Krugerstraße 16 in Wien 1, Reorganisation des Vereins, Schaffung der Abteilungen "Aufzüge", "Krane und Hebezeuge", "Elektrotechnik" und, ein wenig später, die Teilung der Dampfkesselabteilung in "Dampf- und Druckanlagen" und "Werkstoffprüfung".

1962: Vergrößerung der Zentrale und Ankauf der Walfischgasse 13.

1974: Erwerb des in Wels ansässigen österreichischen Teils des Röntgentechnischen Dienstes.

1977: Errichtung des Umweltlaboratoriums in Wels.

1982: Eröffnung des Prüfzentrums in Wien 23.

1989: Gründung der TÜV AUSTRIA Akademie.

1993: Gründung der TÜV AUSTRIA Consult GmbH, Wien.

1994: Der EU-Beitritt ändert die Rahmenbedingungen völlig. Gründung des TÜV AUSTRIA HELLAS LTD., Athen.

1995: Gründung der UMSITEC GmbH, München.

1998: Übernahme der Landes-Kfz-Prüfstelle, Vorarlberg.

2000: Gründung der tschechischen Tochter I.T.I. – Integrovana technicka inspekce spol. s r.o., die über Niederlassungen in Aussig, Brünn, Königgrätz, Mährisch – Ostrau und Pilsen verfügt.

2001: Eröffnung der Reifen- und Räderprüfhalle in Wien 23.

2006: Gründung des TÜV AUSTRIA Turk und des TÜV AUSTRIA Romania

2007: Umgründung des TÜV Österreich in die TÜV AUSTRIA HOLDING AG.

2013: Gründung des TÜV AUSTRIA BUREAU OF INSPECTION AND CERTIFICATION in Pakistan.

2015: Schaffung der vier Geschäftsfelder Industry & Energy, Infrastructure & Transportation, Life, Training & Certification und Service Providers & Public.

Die Dampfmaschine: Zur Bescheinigung: Dampfkessel von 19,43 qm Heizfläche, 12 Atm. Ueberdruck No. 16107
Die Geschichte des TÜV AUSTRIA: Die Dampfmaschine: Zur Bescheinigung: Dampfkessel von 19,43 qm Heizfläche, 12 Atm. Ueberdruck No. 16107
Adam Freiherr von Burg (l), Gründungspräsident des heutigen TÜV AUSTRIA von 1872 - 1882, Wilhelm Franz Exner, Gründer des Technischen Museum Wien, von 1913 - 1931 Präsident des Vereins.
Die Geschichte des TÜV AUSTRIA: Adam Freiherr von Burg (l), Gründungspräsident des heutigen TÜV AUSTRIA von 1872 - 1882, Wilhelm Franz Exner, Gründer des Technischen Museum Wien, von 1913 - 1931 Präsident des Vereins.

140 Jahre sind vergangen, da sich Vertreter der Industrie und technische Fachleute am 11.Juni 1872 zusammenfanden und die „Dampfkesseluntersuchungs- und Versicherungsgesellschaft auf Gegenseitigkeit“ ins Leben riefen.

Doch wie kam es zur Gründung der Gesellschaft, die uns heute unter dem Namen TÜV durch sorgfältige Prüfung und Überwachung vor den möglichen Gefahren der Technik bewahrt? Begeben Sie sich mit uns auf eine Zeitreise um Entstehung und Entwicklung des TÜV AUSTRIA besser zu verstehen.

Von Judith POINTNER, Recherche: Josef MAHRLE

Wir befinden uns im Jahre 1769: James Watt läutet mit seiner Erfindung der Dampfmaschine ein neues Zeitalter ein und ebnet damit der industriellen Revolution den Weg. Zentraler Bestandteil einer Dampfmaschine ist der Dampfkessel. Dabei handelt es sich um ein geschlossenes beheiztes Gefäß in welchem Wasserdampf mit hohem Druck erzeugt wird, der dann einen Kolben betreibt und so die Wärmeenergie in mechanische Arbeit umwandelt.

Zu Beginn wurden Dampfmaschinen vor Allem im Bergbau und später als Antrieb für Boote und Lokomotiven verwendet, bevor sie sich zu Beginn des 19.Jahrhunderts auf sämtliche Bereiche der Industrie ausbreiteten.

Wurden sie anfangs noch mit niedrigem Druck betrieben, so kamen bald Dampfmaschinen zum Einsatz, die mit 5fachem Atmosphärendruck arbeiteten und somit effizienter, aber auch gefährlicher waren.

Gefahren der Dampfkessel

Doch die damaligen Entwicklungen brachten allerhand Gefahren mit sich. Europaweite Statistiken verzeichneten durchschnittlich drei Tote in zwei Tagen durch Dampfkessel-Explosionen. Dazu kamen noch zahlreiche Verletzte und erhebliche Schäden an Gebäuden. Ursachen waren meist technische Mängel wie fehlende Sicherheitsventile und Überdruckanzeiger aber auch unerfahrenes und schlecht geschultes Personal. Trotz bestehender Hofdekrete, die die jährliche Prüfung der Kessel vorschrieben, ereigneten sich katastrophale Unfälle. Teilweise waren diese auch auf die mangelnde Kompetenz der staatlichen Prüfer zurückzuführen.

Verein von Kesselbesitzern

Natürlich nahm auch die Industrie durch Produktionsausfälle aufgrund von Explosionen erheblichen Schaden.

Führende Industrielle und technische Fachleute erkannten daher bald, dass es jene Gefahren einzudämmen galt. Zu diesem Zweck wurde der „Verein von Kesselbesitzern“ gegründet, welcher ein wichtiger Vorläufer des heutigen TÜV ist. Die Mitglieder machten es sich zum Ziel, die Sicherheit der Dampfkessel zu verbessern und das Bedienungspersonal bestmöglich auszubilden.

Die „Dampfkesseluntersuchungs- und Versicherungs-Gesellschaft“

Zu diesem Zeitpunkt war die Überprüfung der Kessel staatlichen Organen vorbehalten. Infolge langwieriger Verhandlungen wurde 1871 ein Gesetz erlassen, das auch nicht staatlichen Organen die Prüftätigkeit erlaubte. Somit stand der Gründung der „Dampfkesseluntersuchungs- und Versicherungs-Gesellschaft auf Gegenseitigkeit“ nichts mehr im Wege.

Gründung

Bei der am 11.Juni 1872 abgehaltenen konstituierenden Versammlung wurde Adam Freiherr von Burg, Professor am k. u. k. Polytechnischen Institut in Wien, der heutigen Technischen Universität Wien, mit der Leitung betraut. Schon wenige Monate später, im September 1872 konnte mit der Überwachungstätigkeit begonnen werden. Wurden zu diesem Zeitpunkt bereits die zur Gründung gesetzlich geforderten 1.000 Kessel überprüft, so entwickelte sich die Gesellschaft rasant weiter und überprüfte nur drei Jahre später bereits 3.000 Kessel. Dadurch zählte sie zu den führenden Institutionen in Europa.

1913, als Wilhelm Exner, der schon bei der Vorbereitung des Gesetzes von 1871 mitgewirkt hatte, zum Präsidenten der „Dampfkesseluntersuchungs- und Versicherungs-Gesellschaft“ berufen wurde, verzeichnete diese schon 5.592 Mitglieder und 17.755 zur Prüfung angemeldete Kessel.
   
Vor Allem die gut ausgebildeten Prüfer waren es, die die Dampfkesseluntersuchungs- und Versicherungs-Gesellschaft bald zu einzig verlässlichen Prüfstelle machten.   

Dampfkessel heute

Heute finden wir Dampfkessel unter der Bezeichnung „Druckgeräte“ in vielen Bereichen unseres Alltags, angefangen von Dampfdruck-Kochtöpfen über Warmwasserboiler bis zu Heißöl- und Abwassertanks. Auch in der Industrie werden die Kessel beispielsweise in Brauereien oder Molkereien verwendet. Große Energieanlagen wie kalorische Kraftwerke oder AKWs machen sich die Druckluft ebenfalls zu Nutze. Aus diesem Grunde ist der Geschäftsbereich „Druckgeräte“ immer noch zentraler Bestandteil des TÜV AUSTRIA.

Verladebrücke aus Holz
Die Geschichte des TÜV AUSTRIA: Verladebrücke aus Holz
Mit der Erfindung des Elektromotors begann auch die Entwicklung des heute allgemein üblichen Aufzugstantriebs: Revitalisierter Hotelaufzug, errichtet um 1900
Die Geschichte des TÜV AUSTRIA: Mit der Erfindung des Elektromotors begann auch die Entwicklung des heute allgemein üblichen Aufzugstantriebs: Revitalisierter Hotelaufzug, errichtet um 1900

Österreichweit benutzen täglich Millionen von Personen einen der 100 000 Aufzüge, statistisch gesehen fährt jeder Mensch auf der Welt innerhalb von 72 Stunden einmal mit dem Lift.

Von Judith POINTNER, Recherche: Josef MAHRLE

Die ersten „Aufzüge“

Doch nicht nur wir, bereits die alten Römer wollten hoch hinaus: Unter Kaiser Domitian wurde Kollosseum im antiken Rom mit riesigen Hebebühnen ausgestattet, die imstande waren, ganze Häuser und Baumgruppen in die Arena zu heben. Dazu wurden Flaschenzüge und Göppel-Winden eingesetzt, wobei vermutet wird, dass damals ein Wasserbehälter als Gegengewicht diente.

Entwicklung der Aufzugstechnik

Die ersten „modernen“ Trommelaufzüge wurden ab Mitte des 19.Jahrhunderts in den USA gebaut und wurden von Dampfmaschinen angetrieben. Vergleichbar mit einer Angelschnur sind die Seile beim Trommelaufzug auf einer Trommel aufgewickelt und mit einem Ende daran befestigt. Ein zweites Seil auf einer gegenläufigen Trommel hält das Gegengewicht. Der erste Personenaufzug dieser Art wurde 1847 am Broadway in Betrieb genommen. Allerdings war die Förderhöhe dieser Aufzüge durch die Größe der Trommeln begrenzt, weshalb sie bald von sogenannten Treibscheibenaufzügen ersetzt wurden.

Bei dieser Bauart werden die beiden Tragseile, von denen eines die Kabine und das andere das Gegengewicht trägt, über eine angetriebene Rolle, die Treibscheibe, geführt. Dabei sind sie nicht an der Rolle befestigt sondern werden durch die Reibung gehalten und bewegt. Dies ermöglichte die Verwendung nahezu beliebig langer Seile, wodurch auch der sich verändernden Architektur dieser Zeit – dem Bau von Gebäuden mit immer mehr Stockwerken - Rechnung getragen wurde.

Wenig später wurden die Dampfmaschinen durch elektrische Antriebe, erstmals eingeführt von Werner von Siemens im Jahre 1880 in Mannheim, ersetzt.

Gefahren und der waghalsige Elisha Graves Otis

Allerdings galten Aufzüge Mitte des 19.Jahrhunderts noch als sehr gefährlich. Um die Ängste der Bevölkerung zu schmälern präsentierte Elisha Graves Otis, Günder der Aufzugsfirma Otis 1853 in einer waghalsigen Demonstration seinen absturzsicheren Aufzug: Er selbst befand sich auf der Höhe obersten Stockwerks eines Gebäudes in der gläsernen Kabine eines Aufzugs, dessen einziges Tragseil vor den entsetzten Augen eines riesigen Publikums durchgeschnitten wurde – die Kabine glitt sanft hinab und Herr Otis stieg freundlich winkend aus.

Mit der Erfindung dieser neuartigen Sicherheitsbremse war der Grundstein für den massenhaften Einbau von Liften gelegt. Die Technik entwickelte sich rasant weiter: Durch die Erfindung des Aufzugsmotors mit Drehzahlsteuerung von Harry Ward Leonard 1891 wurde die ruckfreie Bewegung von Fahrstühlen möglich. Ab dem Jahre 1903 beförderten die ersten getriebelosen Aufzüge der Otis Elevator Company Personen in die oberen Stockwerke von „Wolkenkratzern“, wie das Beaver Building in New York oder das Majestic Building in Chicago.

In Europa begann der Siegeszug der Fahrstühle mit der Präsentation des Hydraulikaufzugs auf der Weltausstellung 1867 in Paris. Bei diesen Aufzügen bewegen ein oder mehrere Hydraulikkolben am Boden des Aufzugsschachts die Kabine nach oben oder nach unten.

Ab den 1870ern setzte man die Aufzugstechnik schließlich vermehrt auch in Österreich ein.

Erste Prüftätigkeiten der „Dampfkesseluntersuchungs- und Versicherungs-Gesellschaft“ im Bereich Aufzüge und Hebezeuge

Zwar gab es in Wien um 1889 bereits vereinzelte Vorschriften für die Herstellung und den Betrieb von Aufzugsanlagen, eine gesetzliche Prüfpflicht für Aufzüge, Hebezeuge sowie Schlag- und Fallwerke in gewerblichen Betrieben wurde jedoch erst mit der Ministerialverordnung RGBl. Nr.176 vom 23.11.1905 erlassen.

Dieses Gesetzblatt und die zunehmende Verwendung von Fahrstühlen in Österreich veranlasste den Vorläufer des heutigen TÜV, die „Dampfkesseluntersuchungs- und Versicherungs-Gesellschaft“, dazu, die Revision von Aufzügen in ihr Überwachungsprogramm mitaufzunehmen. Die Prüftätigkeit wurde mit der Einführung der Aufzugsverordnung im Jahre 1943, die sämtliche zivile Aufzüge umfasste, noch ausgeweitet.

Dass Aufzüge in Österreich heute als sehr sicher gelten, ist nicht zuletzt auch auf die umfassenden Aktivitäten des Geschäftsbereichs „Aufzugstechnik“ der TÜV AUSTRIA SERVICES GMBH auf diesem Gebiet zurückzuführen.

Der Geschäftsbereich ist notifizierte Stelle gemäß der europäischen Richtlinie 95/16/EG für Aufzüge und zugelassene Prüfstelle gemäß Aufzüge-Sicherheitsverordnung (ASV) und überprüfte im Jahr 2010 mehr als 83.000 Aufzugsanlagen.

Auch wenn die Unfallstatistik trotz Steigerung des Aufzugsbestands von 8000 im Jahr 1951 auf 68.000 im Jahr 2001 annähernd gleich geblieben ist, das Benutzen von Fahrstühlen, vor Allem von älteren Anlagen birgt immer noch Gefahren.

Die häufigsten Unfallursachen sind ungesicherte Aufzugskörbe, Stufenbildung zwischen Fahrkorbboden und Haltestellenniveau und unzuverlässiges Schließen der Verriegelungen von Fahrschachttüren.

Nur durch regelmäßige Überprüfung und Verbesserung der Sicherheitsstandards lassen sich diese Gefahrenquellen eindämmen. Mitarbeiter des TÜV AUSTRIA sind dafür kompetente Partner.

Hochwertige und geprüfte Werkstoffe bilden die Basis für sichere Geräte. Die Werkstoffprüfung wurde deshalb bereits kurz nach der Gründung der „Dampfkesseluntersuchungs- und Versicherungs-Gesellschaft auf Gegenseitigkeit“ im Jahre 1872 zu einer wichtigen Domäne des Vorgängers des heutigen TÜV AUSTRIA.

Von Judith POINTNER, Recherche: Josef MAHRLE

 

Anfänge der Werkstoffprüfung

Die Anfänge der Werkstoffprüfung an sich liegen jedoch viel weiter zurück: Beispielsweise untersuchten Schmiede schon im Mittelalter die Elastizität und Festigkeit von Schwertern indem sie sie hin- und herbogen.

Solche Techniken sind natürlich nicht mit den hochentwickelten Methoden der heutigen Zeit vergleichbar, zeigen aber dennoch, wie zentral das Wissen um die Güte der verwendeten Materialien schon zu damaliger Zeit war. Nicht verwunderlich, denn die Verwendung minderwertiger Werkstoffe kann fatale Folgen haben.

Komplikationen trotz Prüftätigkeiten

Diesem Problem stand auch die „Dampfkesseluntersuchungs- und Versicherungsgesellschaft“ gegenüber. Zwar konnte nach Beginn der Prüftätigkeiten die Anzahl, jedoch nicht das Ausmaß der Unfälle mit Dampfkesseln und -maschinen verringert werden.

Immer noch ereigneten sich, wenn auch seltener, schwere Katastrophen - mitunter sogar mit Toten. Mitglieder der Instituts, allen voran die qualifizierten Kesselprüfer und die erfahrenen Metallfabrik-Direktoren unter den zehn Gründervätern des TÜV-Vorgängers, kamen bald zu der Annahme, dass zum einen die Beanspruchung des Kessel- und Rohrleitungsmaterials, zum anderen auch dessen Beschaffenheit zu Betriebsstörungen und Unfällen führte.

Prüfung von Dampfkesseln bisher

Bisher gestaltete sich die Prüfung der Dampfkessel etwa so: Die Kesselanlage wurde vor ihrer Inbetriebnahme ein einziges Mal mit achtfachem Wasserüberdruck geprüft. Hielt sie dieser Belastung nicht Stand platzten Bauteile der Kesselanlage mit Folgeschäden, sodass eine Weiterverwendung nur nach aufwändiger Reparatur möglich war. Diese wenig ökonomische Methode verursachte enorme Wiederhesrstellungskosten, die den Wunsch nach der Anwendung „zerstörungsfreier Prüfverfahren“ immer mehr in den Vordergrund schob. (Anmerkung: „zerstörende Prüfung“ ist ein vollkommen normaler und standardisierter Begriff aus der Labortechnik, zB. der Zugversuch).

Einmal ist nicht genug

Man erkannte, dass eine einmalige Prüfung der Kesselanlagen ein dauerhaftes Funktionieren derselben nicht garantieren konnte. Für die Sachverständigen der „Dampfkesseluntersuchungs- und Versicherungsgesellschaft“ war die Durchführung der unbedingt notwendigen wiederkehrenden Untersuchung im Inneren und Äußeren der Kesselanlagen der verheißungsvolle Lösungsansatz um beginnende Schäden und Abnützungen vor der Totalzerstörung frühzeitig zu erkennen. Der Einzug und die Anwendung „zerstörungsfreier Prüfverfahren“ war somit prolongiert. Ein kompliziertes Unterfangen, da die Kesselanlagen vor jeder Prüfung stillgelegt werden mussten. Denn um an der Innenwand nach Rissbildungen und Auskolkungen, das sind Lochmulden in der Stahlwand, suchen zu können, war es nötig, direkt in den Kessel einzusteigen.

Außerdem musste die Ummauerung des Kessels entfernt werden, damit die Sachverständigen die Außenwandung inspizieren konnten. Dabei wendeten sie neben der optischen Suche nach Rissen auch eine Klangprüfung durch Hammerschläge an.

Durch die Einführung von periodisch wiederkehrenden Kesselprüfungen konnte die Zahl der Unfälle weiter eingedämmt werden, doch das Problem war noch immer nicht gelöst. Weiterhin kam es zu bislang unerklärlichen Störungen und Materialschwächen, bis Unfälle schließlich durch die Verbesserung der Qualität der verwendeten Werkstoffe, Herstellungsprozesse und Prüfungen beinahe gänzlich vermieden werden konnten.

Dies und die Verpflichtung des Kesselbedienungs- und Wartungspersonals zu Schulungen führten sogar zu derartig geringen Unfallzahlen, dass die Kessel-Versicherungs-Sparte der Gesellschaft aufgelöst werden konnte.

Hochentwickelte Methoden und Prüftätigkeiten des TÜV AUSTRIA

Im Laufe der Jahre entwickelten sich, auch dank der qualifizierten Sachverständigen des TÜV weit aussagekräftigere zerstörungsfreie Prüfmethoden zum Nachweis der Bauteileignung im Rahmen der wiederkehrenden Prüfung. Zerstörende Prüfmethoden traten aufgrund der geringen Wirtschaftlichkeit immer mehr in den Hintergrund. Beispielsweise wurden Stahlträger und -seile nicht mehr so lange belastet bis sie rissen, sondern man durchleuchtete sie mit Röntgenstrahlen um die tatsächlich vorliegende Beschaffenheit der Komponenten festzustellen.

Heutzutage ist es durch die Anwendung integraler Prüfmethoden möglich, die Verfügbarkeit von zu prüfenden Bauteilen zu optimieren und damit die anfallenden Kosten für den Betreiber zu minimieren. Die TÜV AUSTRIA SERVICES GMBH bietet hierbei eines der modernsten und effizientesten zerstörungsfreien Prüfmethoden an - Die Schallemissionsprüfung. Hochsensible piezoelektrische Wandler werden hierbei formschlüssig an der Bauteiloberfläche des Prüflings angebracht. Während der Bauteilbelastung wirken die Wandler, ähnlich einer „Bebenvorwarnung“ im Gefüge der Werkstoffe, wie hochempfindliche Mikrophone. Beginnende mikroskopische Schädigungsmechanismen können hiermit nicht nur frühzeitig erkannt sondern bei entsprechender Verwendung von Multisensortechnik auch geortet werden. Eine integrale Prüfaussage über die Gesamtstruktur des Prüflings ist somit gegeben.

Mittels eines speziell von TÜV-Technikern entwickelten „Akustischen Lecksuchmolches“ lassen sich Rohrleitungen sogar während des betrieblichen Produktetransports auf Leckagen hin untersuchen. Etwaig auftretende Leckagen werden nicht nur mit einer bestechend geringen Leckrate nachgewiesen, sondern ebenso bestechend genau geortet. Und dies gleichermaßen bei nichterd- und erdverlegten Abschnitten im on- und off-shore-Bereich der Rohrleitungsverlegung.

Qualifizierte Sachverständige und eine Vielzahl mobiler Prüflabors der TÜV AUSTRIA SERVICES GmbH ermöglichen einen österreichweiten sowie internationalen Prüfeinsatz und die Anwendung modernster Technik und ausgefeilter Verfahren, die die Sicherheit der geprüften Bauteile und Komponenten im Druckbehälter und Rohrleitungsbau maßgeblich erhöhen.

Ambulante Metallographie
Die Geschichte des TÜV AUSTRIA: Ambulante Metallographie
Kugelförmige Gas-Speicher-Behälter
Die Geschichte des TÜV AUSTRIA: Kugelförmige Gas-Speicher-Behälter
Flachbodenlagertanks
Die Geschichte des TÜV AUSTRIA: Flachbodenlagertanks
Experten des TÜV AUSTRIA führen auf dem Gelände einer Raffinerie eine Schallemissionsprüfung durch.
Experten des TÜV AUSTRIA führen auf dem Gelände einer Raffinerie eine Schallemissionsprüfung durch.
Die Artillerie-Zugmaschine „Fardier“ des Nicholas Cugnot, Quelle: Wikipedia
Die Artillerie-Zugmaschine „Fardier“ des Nicholas Cugnot, Quelle: Wikipedia
Die "Steam Carriage" des Schotten William Murdoch, Quelle: Wikipedia
Die "Steam Carriage" des Schotten William Murdoch, Quelle: Wikipedia
Es wird vermutet, dass Siegfried Marcus um 1870 als Erster ein Benzin-Automobil entwickelte, den "Marcus-Wagen".
Es wird vermutet, dass Siegfried Marcus um 1870 als Erster ein Benzin-Automobil entwickelte, den "Marcus-Wagen".

Für viele Menschen ist ein Alltag ohne Auto heute unvorstellbar. Rund 4,5 Millionen PKWs sind auf Österreichs Straßen unterwegs.

Heute erleichtern Mikroprozessor-Computer, GPS-Navigationsgerät und Antiblockiersystem die Bedienung unseres fahrbaren Untersatzes.

Doch es war ein langer Weg hin zu unseren modernen, im Windkanal entwickelten, aerodynamischen Autos: Die ersten pferdelosen Fahrzeuge wurden noch mit Dampfmaschinen angetrieben, waren unbequem, langsam und unsicher.

Von Judith POINTNER, Recherche: Josef MAHRLE

 

Nicolas Cugnot und sein Ungetüm – Alles begann mit dem Dampfauto

Frankreich,1769: Durch die Straßen von Paris rattert ein pfauchendes, rauchendes und stinkendes Ungetüm. Auf dem massiven, hölzernen Dreirad-Lastkarren mit seinen mannshohen Hinterrädern stemmt sich der hünenhafte Fahrer mit aller Kraft in die Lenkung. Vor dem einzigen gelenkten Vorderrad hängt auf der Lenkgabel das Gewicht der Antriebs-Dampfmaschine samt riesigem Dampfkessel. So rollt die Artillerie-Zugmaschine „Fardier“ des Nicholas Cugnot bei der Erprobung vor den Militär-Offizieren in Paris „störrisch“ geradeaus - direkt in die Mauer der Kaserne, da auf den Einbau von Bremsen schlichtweg verzichtet wurde. So lieferte das erste „Automobil“ neben dem Vorderradantrieb gleich auch den ersten spektakulären Auto-Unfall.

Nur 15 Jahre später entwarf der Schotte William Murdoch sein „Steam Car“ und entwickelte daraus eine Lokomotive, für die er 1795 das Patent erhielt. Ab 1801 beförderte dieses sogenannte „Lokomobil“ Passagiere auf Londons Straßen und war somit das erste kommerziell genutzte Straßenfahrzeug. Auch der kleine Modelldampfwagen „Puffing Devil“ von Richard Trevithick war ab demselben Jahr mit einer Geschwindigkeit von etwa 8 km/h in England unterwegs. Doch die Fahrzeuge lösten wenig Begeisterung in der Bevölkerung aus. Lieber reiste man mit der billigen Postkutsche als beispielsweise mit dem lauten, übel riechenden „London Steam Carriage“ – ein Postkutschenwagen mit eingebauter Dampfmaschine.
Die "Steam Carriage" des Schotten William Murdoch, Quelle: Wikipedia
Die "Steam Carriage" des Schotten William Murdoch, Quelle: Wikipedia

Auch die Erfindung des ersten Dampfomnibus ließ nicht lange auf sich warten: Sir Goldsworthy Gruney konstruierte den Wagen 1826, Walter Harock folgte seinem Beispiel ein Jahr darauf.

Bei seiner Jungfernfahrt als öffentlicher Bus zwischen Stratford-on-Avon und London wurde Harocks Fahrzeug mit Steinen beworfen.

Zurück nach Frankreich: Dort nannte Amédée Bollée sein erstes Dampf-Automobil in Anspielung auf den bremsenlosen „Fardier“ von Cugnot, „L’Obéissante“ – „Die Folgsame“. Und das Fahrzeug gehorchte wirklich: Bei seiner 185-kilometerlangen Fahrt von Le Mans nach Paris im Jahr 1875, für die er immerhin 18 Stunden brauchte, hatte Bollée zwar keinen Unfall, erhielt aber 75 polizeiliche Verwarnungen, weil sein Tun als „grober Unfug“ gewertet wurde. Bollées später entwickeltes Dampf-Automobil „La Mancelle“ wurde als erste Auto-Kleinserie etwa 50 mal gebaut.
Es wird vermutet, dass Siegfried Marcus um 1870 als Erster ein Benzin-Automobil entwickelte, den "Marcus-Wagen".
Es wird vermutet, dass Siegfried Marcus um 1870 als Erster ein Benzin-Automobil entwickelte, den "Marcus-Wagen".

Die ersten Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor

Wer nun tatsächlich das erste Automobil mit Verbrennungsmotor konstruierte, ist bis heute nicht vollständig geklärt. Fest steht, dass an der Entwicklung viele namhafte Erfinder, wie Otto, Daimler, Benz, Siemens und Diesel beteiligt waren.

Fachleute vermuten, dass es der aus Mecklenburg stammende und nach Wien emigrierte Siegfried Marcus war, der um 1870 als Erster ein Benzin-Automobil entwickelte. Vom ersten „Marcus-Wagen“ – einem vierrädrigen Holzkarren mit mannshohem Motor - existiert lediglich ein Foto, der Zweite ist jedoch vollständig erhalten und gilt als der älteste seiner Art.

Heute kann man das Gefährt im Technischen Museum Wien bestaunen.

Damals war die Akzeptanz für die neue Technik immer noch gering: Angeblich verhaftete die Polizei Marcus bei einer seiner Probefahrten und ließ sein Gefährt von einem Kutschenpferd abschleppen.

Eigentlich erscheint diese Auto-Erfindungs-Diskussion überflüssig, denn bereits 1834 baute der Amerikaner Thomas Davenport einen von ihm erfundenen Elektromotor als Antrieb in eine Kutsche ein.

Diese frühen Elektroautos konnten sich allerdings nicht durchsetzen, weil die Batterien schwer zu handhaben waren und nur eine geringe Reichweite hatten.

TÜV AUSTRIA-Geschäftsbereich Kraftfahrtechnik

Grundsätzlich ist ein Kraftfahrzeug eine Maschine und unterliegt – ähnlich wie eine Dampfmaschine – dem Auftreten von Defekten und der Abnützung.

Somit boten sich die erfahrenen Techniker der bereits bestehenden Dampfkessel-Prüfgesellschaft an um auch den Zustand von Kraftfahrzeugen zu kontrollieren.

Als der Automobilbestand rasant anstieg, erkannte man bald, dass eine generelle, periodische Überprüfung unerlässlich war, um plötzlich auftretende Defekte und daraus entstehende Unfälle zu vermeiden.

Der Geschäftsbereich zeichnet sich heute durch langjährige Erfahrung und große Behördenakzeptanz aus.

Die Fachmänner des TÜV AUSTRIA führen nicht nur die klassischen KFZ-Überprüfungen (das sogenannte „Pickerl“) durch, sie kontrollieren auch die prüfpflichtigen Zusatzeinrichtungen und stehen bei Typgenehmigungen von Kraftfahrzeugen oder Bauteilen als Prüfstelle zur Verfügung.

TÜV AUSTRIA: Ein kompetenter Partner

Egal was die technische Entwicklung noch bringen mag – seien es automatisch gelenkte Autos, die schon jetzt auf Versuchsstrecken in Deutschland unterwegs sind, seien es „fliegende Autos“, die eine US-Firma demnächst auf den Markt bringen will – mit dem TÜV AUSTRIA steht uns auch in Zukunft ein kompetenter Partner auf dem Gebiet der Kraftfahrtechnik zur Seite.

Chemielabor der Nachkriegszeit.
Chemielabor der Nachkriegszeit.
Das 1993 erbaute Prüfzentrum in Wels/Thalheim: 1994 übernahm der frühere Leiter, Dipl.-Ing. Dr. Hugo Eberhardt die Geschäftsführung des Vereins
Das 1993 erbaute Prüfzentrum in Wels/Thalheim: 1994 übernahm der frühere Leiter, Dipl.-Ing. Dr. Hugo Eberhardt die Geschäftsführung des Vereins.

Unsere Gesellschaft lebt über ihre Verhältnisse: Neuste Forschungen haben ergeben, dass wir zurzeit 2,5 Mal so viele Ressourcen verbrauchen als eigentlich zur Verfügung stehen. Daher müssen wesentliche Schritte in der Energie-, Ernährungs- und Wasserversorgung gesetzt werden um der Ausbeutung unserer Erde Einhalt zu gebieten und erneut ein Gleichgewicht herzustellen.

Das bedeutet auch, dass die Bevölkerung der stark industrialisierten Länder ihren Lebensstandard ändern muss. Denn durch den Umgang mit der Umwelt bestimmen wir maßgeblich die Zukunft und die Lebensqualität kommender Generationen.

Deshalb stellen Umweltschutz und die vernünftige Nutzung von Ressourcen zentrale Herausforderungen unserer Zeit dar. Als kompetenter Partner unterstützt der Bereich Umweltschutz Industrie und Gewerbe dabei, diese Herausforderungen zu meistern.

Von Judith POINTNER, Recherche: Josef MAHRLE

 

Beginn der Umweltverschmutzung

Die industrielle Revolution brachte neben dem technischen Fortschritt auch zahlreiche nachteilige Entwicklungen mit sich: Riesige Fabriken verbrannten enorme Mengen an Kohle und anderen fossilen Brennstoffen, was zu einer Verschmutzung der Luft führte. Die Bevölkerung in den wachsenden Städten produzierte mehr und mehr Müll, für den Entsorgungsmöglichkeiten gefunden werden mussten. Außerdem brauchte es in den großen Städten eine geordnete Abwasserentsorgung. So entstand beispielsweise 1882 die erste Kläranlage auf europäischem Festland in Frankfurt am Main.

Wachsendes Umweltbewusstsein

In Europa entwickelte sich das neuzeitliche Bewusstsein für den Umweltschutz in den 1960er Jahren, als die negativen Auswirkungen industrieller Tätigkeiten auf die Natur immer offensichtlicher wurden. Missstände wie das Fischsterben, die Versauerung der Meere, verheerende Chemiekatastrophen oder das Waldsterben leisteten ihren traurigen Beitrag zu diesem Wertewandel. Durch das wachsende Bewusstsein in der Zivilgesellschaft und durch neue Gesetze wurden auch Industrie und Gewerbe zum Umdenken und zur Entwicklung umweltschonender Produktionstechniken gezwungen.

Gründung und Entwicklung des Geschäftsbereichs Umweltschutz

So wurde der Ruf nach einer unabhängigen Institution laut, die Unternehmen bei diesen Maßnahmen unterstützt und sie überwacht.

Die Gründung der Geschäftsbereiches Umweltschutz des TÜV AUSTRIA im Jahr 1977 war eine logische Konsequenz. Zu Beginn bestand die Abteilung aus nur einem einzigen Mitarbeiter, Ing. Ludwig Pointner, der sich selbst augenzwinkernd als „Medusalem des Umweltschutzes“ bezeichnet.

Wenig später kam Dr. Hugo Eberhardt, der künftige Direktor des TÜV AUSTRIA (1994-2013) dazu. Damals war das „Büro“ in Wels (OÖ) in einem Containerbau untergebracht, der aber bald zu klein für die rasch wachsende Abteilung wurde.

Als 1982 die Versuchsanstalt in Wien gegründet wurde, entschied man sich dazu, den Geschäftsbereich Umweltschutz an zwei Standorten – Wels und Wien – zu etablieren.

Da in Wien wesentlich mehr Platz zur Verfügung stand, wurde dort der Laborbereich eingerichtet, während sich die Mitarbeiter in Wels mehr auf die Erstellung von Gutachten konzentrieren.

Gängige Messungen, wie die Erhebung von Luftschadstoffen oder der Lärmsituation und die Kalibrierung von Messgeräten werden allerdings von beiden Standorten ausgeführt.

Mit dem Bau des Prüfzentrums in Thalheim bei Wels 1993 verbesserte sich die Platzsituation auch für die Abteilung in Oberösterreich.

Die Anzahl der Mitarbeiter vervielfachte sich – heute arbeiten in Thalheim 15 Personen für den Umweltschutz.

Dienstleistungen des Geschäftsbereichs im Laufe der Zeit

In den ersten Jahren wurden schwerpunktmäßig Emissions- und Immissionsmessungen im Bereich der Luftschadstoffe Schwefeldioxid und Staub durchgeführt. Die Palette weitete sich jedoch rasch aus. In den 1990er Jahren nahmen die Aufträge für Abfall- und Gewässergüteuntersuchungen enorm zu. Ein Preisverfall und andere ungünstige Umstände führten zu einer Krise des Geschäftsbereichs Ende der 1990er Jahre.

Eine Umstrukturierung und Personalfluktuationen, vor allem im Laborbereich, konnten die Abteilung vor dem Aus bewahren. Der Wiederaufbau erfolgte, als Ing. Ludwig Pointner 2002 die Leitung übernahm.

Heute gewinnen die Auslandstätigkeiten des Bereichs Umweltschutz immer mehr an Gewicht. So wurden Abnahmemessungen im großen Stil bei einer Rauchgasreinigungsanlage in Griechenland durchgeführt. Außerdem begleiteten versierte Mitarbeiter des Umweltschutzes Forschungsaufträge zur Direktreduktion von Eisenerz in Korea mit einem eigens von ihnen entwickelten Messsystem.

Momentan spielen die Erhebungen im Rahmen der EU-Ziele zur CO2-Reduktion eine große Rolle. Dabei müssen Unternehmen angeben wie viele Luftschadstoffe sie in den vergangenen Jahren ausgestoßen haben und welche Mengen in Zukunft erwartet werden. Der TÜV unterstützt seine Kunden in diesem Bereich bei der Datensicherung und verifiziert die Angaben. In weiterer Folge müssen auch die Monitoringkonzepte der Unternehmen überarbeitet und verifiziert werden. Auch hier greifen die Mitarbeiter ihren Auftraggebern helfend unter die Arme.

Einen weiteren wichtigen Tätigkeitsbereich stellen Lärm- und Geruchsmessungen dar. In den letzten Jahren häufen sich die Beschwerden über Geruchs- und Lärmbelästigungen.

Der Geschäftsbereich bietet seinen Kunden umfassende Dienstleistungen auf den Gebieten Wasser, Abwasser, Lärm, Abfall, Luftschadstoffe, Boden, Vibrationen und Rauch an, um nur einige zu nennen. Dabei begleiten die Techniker die Unternehmen in allen auftretenden Fragen bis hin zur Betreuung als Sachverständige in Behördenverfahren.

Durch die Arbeit der Abteilung Umweltschutz wird deutlich: Industrieproduktion, Verkehr und Umweltschutz müssen keine Widersprüche darstellen.

Dipl.-Ing. Adolf Rußold (l), der erste Leiter des Geschäftsbereichs Spiel, Sport und Freizeit des TÜV AUSTRIA und Ing. Robert Terp, der mit der Jahrtausendwende dessen Nachfolge antrat
Dipl.-Ing. Adolf Rußold (l), der erste Leiter des Geschäftsbereichs Spiel, Sport und Freizeit des TÜV AUSTRIA und Ing. Robert Terp, der mit der Jahrtausendwende dessen Nachfolge antrat

Ein TÜV-Experte bestimmt mit dem von TÜV AUSTRIA entwickelten Prüfgerät den Schweregrad möglicher Kopfverletzungen. Das sogenannte HIC, das Head Injury Criterium ist eine anerkannte Kenngröße und darf nach heutigen Normen den Wert 1000 nicht übersteigen.
Ein TÜV-Experte bestimmt mit dem von TÜV AUSTRIA entwickelten Prüfgerät den Schweregrad möglicher Kopfverletzungen. Das sogenannte HIC, das Head Injury Criterium ist eine anerkannte Kenngröße und darf nach heutigen Normen den Wert 1000 nicht übers

Abenteuerspielplätze erfreuen sich großer Beliebtheit, Fun-Sportarten wie Skateboarden und Inlineskaten boomen, Kletterhallen findet man heute in beinahe jeder größeren Stadt und Fitnessstudios werden von Alt und Jung stark frequentiert.

Sportliche Freizeitgestaltung als Ausgleich scheint in einer Zeit, in der Stress auf der Tagesordnung steht an Bedeutung zu gewinnen. Bewegung und Spiel ist vor allem auch für Kinder wichtig: das Benützen von Spielplätzen bedeutet nicht nur Spaß, sondern fördert, wie Studien zeigen, neben Motorik und Geschicklichkeit auch die Persönlichkeits- und soziale Entwicklung.

TÜV AUSTRIA sorgt mit einem eigenen Geschäftsbereich dafür, dass Spiel-, Sport- und Freizeitgeräte gängigen Sicherheitsstandards entsprechen und minimiert so die Verletzungsgefahr und das Unfallrisiko.

Von Judith POINTNER, Recherche: Josef MAHRLE

Daniel Gottlob Moritz Schreber (* 15. Oktober 1808 in Leipzig; † 10. November 1861 ebenda) war ein deutscher Arzt und Hochschullehrer an der Universität Leipzig, auf Holz gezeichnet von Adolf Neumann
Daniel Gottlob Moritz Schreber, auf Holz gezeichnet von Adolf Neumann

Die ersten Spielplätze

Öffentliche Spielplätze, wie wir sie heute kennen, entstanden Mitte des 19.Jahrhunderts. Ein ausschlaggebender Grund dafür war die fortschreitende Urbanisierung, durch die natürlicher Spielraum verloren ging.

Als „Vater“ der Spielplätze kann der Kinderarzt und Orthopäde Daniel Moritz Gottlob Schreber (* 15. Oktober 1808 in Leipzig; † 10. November 1861) – übrigens der Namenspatron der sogenannten Schreber-Gärten - bezeichnet werden, der die fehlenden Entfaltungs- und Bewegungsmöglichkeiten von Kindern in den damaligen Städten kritisierte.

Entstehung des Geschäftsbereichs Spiel-, Sport- und Freizeitgeräte

Lange Zeit gab es keine oder nur wenige Normen und Sicherheitsstandards für Spielplätze. Doch in den Achtziger Jahren hatten Betreiber von Spielplätzen vermehrt mit Klagen zu kämpfen, wenn Unfälle passierten.

Als der Geschäftsbereich Spiel-, Sport- und Freizeitgeräte im Jahr 1986 seine Tätigkeit in Wien aufnahm, lag nur eine einzige Norm, nämlich die ÖNORM S 4235:1983, vor.

Erster und zu Beginn einziger Angestellter war DI Lefnaer. Wenig später stieß der erste Geschäftsbereichsleiter DI Adolf Rußold und 1987 der heutige Chef der Abteilung, Ing. Robert Terp dazu.

Zunächst wurde deren Arbeit von den Mitarbeitern der damals noch sehr konservativen Kranabteilung kritisiert, belächelt und deren Sinnhaftigkeit angezweifelt.

Weitere Entwicklung

Ab 1988 begann die europäische Normungsarbeit im Gremium für Spielplatzgeräte für Kinder, dem CEN TC 136 SC1, an der DI Rußold von Anfang an mitwirkte. 1989 wurde er zum Convenor der AG "Surfacing", die sich mit stoßdämpfenden Spielplatzböden beschäftigt, bestellt und übt diese Funktion heute noch aus. Damals wurde auch die bis heute gültige Prüfmethode für Spielplatzböden, die HIC-Methode entwickelt, welche in die Europäische Norm EN 1177 sowie in die ÖNORM S 4235:1990 einging.

HIC bedeutet Head Injury Criterium und ist eine international anerkannte Kenngröße für den Schweregrad von Kopfverletzungen.

Nach heutigen Normen muss der Wert unter 1000 liegen, um das Risiko von Kopfverletzungen mit bleibenden Schäden bei Stürzen einzudämmen.

Das vom TÜV AUSTRIA eigens entwickelte Prüfgerät zur Anwendung im Labor und vor Ort am Spielplatz verschaffte der Abteilung zahlreiche Prüfaufträge, auch in Deutschland, Ungarn und Frankreich.

An die renommierteste Prüfstelle Frankreichs, die LNE verkaufte der TÜV AUSTRIA sogar ein baugleiches Gerät.

Europäische Normung und Weiterentwicklung

Die europäische Normungsarbeit und die neue Norm EN 1176 trieben die Entwicklung der Abteilung weiter voran. Prüfungen wurden bald in ganz Österreich durchgeführt und die Zahl der Mitarbeiter stieg stetig an – heute sind es mehr 30.

Der Geschäftsbereich Spiel, Sport und Freizeit heute

Während der Schwerpunkt der Arbeit anfänglich auf der Prüfung von Spielgeräten und in geringem Maße auf Wasserrutschen und Turnsälen lag, deckt der Fachbereich heute ein breites Spektrum von verschiedensten Spiel-, Sport- und Freizeitgeräten ab.

Dieses reicht von Skateranlagen, Fitnessgeräten und –studios über Hüpfburgen, künstliche Kletteranlagen, Hochseilgärten, Funcourts, Sommerrodelbahnen und Bädertechnik bis hin zu extravaganten Looping-Wasserrutschen. Im Mittelpunkt steht aber immer noch die Prüfung von Spielgeräten.

Durch die Mitarbeit von Technikern des Fachbereichs in Gremien auf nationaler wie europäischer Ebene wurde und wird die Spielplatzsicherheit in der EU maßgeblich verbessert.

Besonders hervorzuheben ist außerdem die Leitung von Ringversuchen innerhalb der EU, beispielsweise über die Genauigkeit der Prüfgeräte für die stoßdämpfenden Eigenschaften von Spielplatzböden oder die Entwicklung von Änderungsvorschlägen und Messgeräten für die gefahrgeneigten Wasserrutschen.

Mit ihrer langjährigen Erfahrung und Expertise betreuen Mitarbeiter der Abteilung die Hersteller von Spiel-, Sport- oder Freizeitgeräten nicht nur im Zuge von Spielplatz- und Typenprüfungen sondern führen auch sicherheitstechnische Beratungen bei Neueinführungen durch.

Als akkreditierte Prüf-, Überwachungs- und Zertifizierungsstelle gewährleistet die Abteilung Unabhängigkeit, Objektivität und Verlässlichkeit für ihre Kunden.

Das 1784 eröffnete Allgemeine Krankenhaus in Wien setzt Maßstäbe und erlangte in ganz Europa großes Ansehen. 1998 übersiedelten Fakultäten der Universität Wien aus dem Neuen Institutsgebäude ("NIG") in die Räumlichkeiten des ehemaligen AKH.
Das 1784 eröffnete Allgemeine Krankenhaus in Wien setzt Maßstäbe und erlangte in ganz Europa großes Ansehen. 1998 übersiedelten Fakultäten der Universität Wien aus dem Neuen Institutsgebäude ("NIG") in die Räumlichkeiten des ehemaligen AKH.
Zu den ersten Aufträgen der TÜV AUSTRIA Medizintechnik gehörte die Prüfung der Elektroanlage am LKH Graz. Im Bild das LKH-Universitätsklinikum Graz 2010: Mit 1.350 Ärzten, rund 7.500 Angestellten und 1.500 Betten eines der größten Krankenhäuser
Dipl.-Ing. Franz Fegerl leitete den Bereich Medizintechnik von 1980 bis Ende 2013.
Dipl.-Ing. Franz Fegerl leitete den Bereich Medizintechnik von 1980 bis Ende 2013.
Dipl.-Ing. Michael Pölzleitner leitet seit 1.1.2014 den Bereich Medizintechnik.
Dipl.-Ing. Michael Pölzleitner leitet seit 1.1.2014 den Bereich Medizintechnik.

Heutzutage unterstützen modernste Medizingeräte und -produkte unsere „Götter in Weiß“ bei der Diagnostik und bei der Behandlung von Krankheiten. Ein mittelgroßes Krankenhaus verfügt immerhin über etwa 5.000 medizintechnische Geräte, beginnend bei einfachen elektrisch-verstellbaren Krankenbetten, über zahlreiche Kleingeräte wie etwa verschiedene heikle Infusionspumpen bis hin zu großen MR-Tomografen.

Gerade wenn es um unsere Gesundheit geht, ist sicheres und geprüftes Equipment unabdinglich.

Der Geschäftsbereich Medizintechnik trägt einen wesentlichen Teil dazu bei, die Sicherheit und das einwandfreie Funktionieren von medizinischen Geräten und Einrichtungen zu gewährleisten.

Von Judith POINTNER, Recherche: Josef MAHRLE

 

Erste medizinische Eingriffe, erste Krankenhäuser

Die Beschäftigung mit dem menschlichen Körper und dessen Krankheiten besteht fast so lang wie die Menschheit. Angeblich wurde bereits vor über 50.000 Jahren, zur Zeit der späten Neandertaler, die erste Operation durchgeführt - dabei dürfte es sich um eine Armamputation gehandelt haben.

In der Jungsteinzeit, zwischen 5.500 und 2.000 v.Chr., hatten die damaligen „Ärzte“ schon Erfolg bei 90 Prozent der Schädeloperationen. Schriften aus Ägypten belegen erste wissenschaftliche Auseinandersetzungen mit der Medizin. Sogar das Alte Testament enthält bereits Gesundheitsvorschriften. Damals war man allerdings noch der Meinung, dass Krankheit eine göttliche Strafe sei.

Als Wiege der europäischen Medizin gilt daher das antike Griechenland. Denn die Griechen verwarfen die Annahme, dass Gott für unsere Gesundheit verantwortlich ist. An seine Stelle trat die Natur.

Das sogenannte Valetudinarium, das um 14 vor Christus im alten Rom entstand, kann als Vorläufer des heutigen Krankenhauses gesehen werden.

Die frühen modernen Krankenhäuser wurden aber erst im 18.Jahrhundert gegründet. Beispielsweise setzte Kaiser Joseph II. mit der Eröffnung des Allgemeinen Krankenhauses in Wien 1784 Maßstäbe für Großkrankenhäuser in Mitteleuropa. Bald entstanden auch gesetzliche Vorgaben für die Sicherheit dieser Einrichtungen.

Geschäftsbereich Medizintechnik - Vorgeschichte

Vor der eigentlichen Gründung des Geschäftsbereichs führten die damaligen Aufzugs- und Kesselabteilungen schon Prüfungen in Krankenhäusern durch.

Als Spitalsbetreiber in den späten 1970er Jahren nach Kontrollen an elektrischen Starkstromanlagen verlangten, trat auch die Abteilung Elektrotechnik in Kontakt mit den Anstalten.

Zu den ersten Aufträgen gehörte die Prüfung der Elektroanlage am LKH Graz. Solche Kontrollen sind besonders wichtig, darf doch der Storm in Spitälern, vor allem auf der Intensivstation oder im Operationsaal, auf keinen Fall ausfallen.

1979 trat eine Novelle zum Kranken- und Kuranstaltengesetz, kurz KAKuG, in Kraft, die von den Spitalsbetreibern die Benennung eines Technischen Sicherheitsbeauftragten (TSB), der für das einwandfreie Funktionieren aller medizinischen Geräte und technischen Einrichtungen verantwortlich ist, forderte.

Die dazu nötigen Prüftätigkeiten führten zwei Techniker des TÜV in Wien durch, die sich das erforderliche Fachwissen durch persönliches Engagement und Mitarbeit in einschlägigen Gremien aneigneten.

Der erste Prüfauftrag an einer gesamten Krankenanstalt, der KFA-Hera in Wien, wurde noch in Kooperation mit dem TÜV Rheinland realisiert, der zwei Medizintechniker des TÜV Österreich einschulte.

Im Jahr 1980 wurden die Prüfleistungen schließlich im neuen Institut für Medizintechnik, das der Abteilung Elektrotechnik untergeordnet war, unter der Leitung von Diplom-Ingenieur Franz Fegerl, zusammengefasst.

Gründung des Geschäftsbereichs Medizintechnik

Mit der Umorganisation des TÜV durch den damals neuen Direktor Dipl.-Ing. Dr. Hugo Eberhardt entstand 1996 der eigene Geschäftsbereich Medizintechnik in Wien.

Mit der Leitung wurde weiterhin Dipl.-Ing. Fegerl betraut, der diese Funktion bis heute ausübt. Einer der ersten Schritte war eine Aquisitionstour durch die Bundesländer, deren Regierungen zu dieser Zeit die Rechtsträger der Spitäler waren, die dazu dienen sollte, das Dienstleistungsangebot vorzustellen.

Erschwerend stellte sich dabei heraus, dass das Bundes-KAKuG dort nicht direkt anwendbar war und ein eigenes Landesgesetz abgewartet werden musste.

Dennoch gelang es, frühzeitig mit den Sanitätsdirektionen in Oberösterreich und Tirol mehrjährige Prüfverträge abzuschließen.

Entwicklung

Bald folgten weitere Krankenhäuser. Wenig später ließ sich das Institut als Prüf- und Versuchsanstalt staatlich autorisieren, was die fachliche Kompetenz nachweislich bezeugte. In weiterer Folge löste die Akkreditierung als Prüf-, Inspektions- und Zertifizierungsstelle nach dem Akkreditierungsgesetz diese Autorisation ab.

Der Tätigkeitsbereich entwickelte sich rasant, die Aufträge häuften sich. Daher wurden im Zeitraum zwischen 1985 und 1990 die Geschäftsstellen in Linz, Salzburg, Innsbruck und Graz mit Medizintechnikern besetzt und mit dem erforderlichen Equipment ausgestattet.

Nach dem EU-Beitritt Österreichs erlangte der Fachbereich die Berechtigung als europäische Zulassungsstelle (notified body). Das Gesundheitsministerium notifizierte den TÜV für die drei EU-Richtlinien über Medizinprodukte (Aktive Implantate, allgemeine Medizinprodukte und In-vitro-Diagnostika).

Der TÜV konnte nun alle Dienstleistungen für die CE Kennzeichnung von Geräten durchführen. Dadurch ergaben sich völlig neue, oft über die Grenzen Österreichs hinausgehende Tätigkeiten.

Das Inkrafttreten des ArbeitnehmerInnenschutzgesetz (ASchG), des Medizinproduktegesetz und der Medizinproduktebetreiberverordnung erweiterte das Dienstleistungsportfolio schließlich um folgende Fachgebiete: Übernahme der Aufgaben und Pflichten der Sicherheitsfachkraft nach dem ASchG, Prüfung medizinischer Gasversorgungsanlagen, Kalibrierung von medizinischen Geräten, Erstellung von Gutachten und Vorfallsuntersuchungen und Instandhaltungssoftware für Medizin- und Haustechnik.

Als die ursprünglichen Rechtsträger der Krankenanstalten Holding AGs, wie die GESPAG, die TILAK oder die KAGES, gründeten, in denen sie ihre Spitäler zusammenfassten, konnten die abgeschlossenen TSB- und Prüfverträge erfolgreich auf diese übertragen werden.

Zusätzlich betreut der TÜV noch weitere Rechtsträger wie Pensions- und Sozialversicherungsanstalten, Ordensspitäler, private Ambulatorien, Physiotherapien, Tageschirurgien oder Arztordinationen.

Der Geschäftsbereich heute

Das im Jahr 1980 aus dem Bereich Elektrotechnik als Abteilung herausgelöste und gegründete Institut für Medizintechnik führt heute jährlich an 65.000 medizinischen Geräten sicherheits- und funktionstechnischen Prüfungen durch.

Heute werden von den kompetenten Mitarbeitern der Abteilung jährlich über 65.000 medizinische Geräte sicherheits- und funktionstechnischen Prüfungen unterzogen. Daneben bietet der TÜV unter anderem Beratungen, Installation von Software für Instandhaltungs- und Facility-Management sowie Schulungs- und Unterstützungsleistungen an.

Als unabhängige und unparteiische Stelle ist es das oberste Ziel der Abteilung, allen Einrichtungen des Gesundheitswesens, Herstellern, Vertreibern und Instandsetzern von Medizinprodukten und medizinisch-technischen Einrichtungen sowie Behörden, Ämtern und kommunalen Einrichtungen qualitativ hochwertige und preiswerte Dienstleistungen anzubieten.

Nach 39 erfolgreichen Jahren übergab Dipl.-Ing. Franz Fegerl die Leitung des Bereichs Medizintechnik an DI Michael Pölzleitner.

Dipl.-Ing. Michael Pölzleitner wurde per 1. Jänner 2014 zum Nachfolger von Franz Fegerl als Leiter des Instituts für Medizintechnik bestellt.

Pölzleitner ist seit eineinhalb Jahrzehnten beim TÜV AUSTRIA tätig, davon mehrere Jahre als Stellvertreter von Herrn Fegerl.

Als Leiter der Zulassung für Medizinprodukte verfügt Michael Pölzleitner über internationale Erfahrung im Bereich Medizintechnik.

Er ist Mitglied im Austria Standards Komitee, in der internationalen Fachorganisation Notified Bodies Medical Devices (NB-Med), diversen Prüfungskommissionen und zahlreichen technischen Organisationen.

Werner von Siemens führte erstmals den elektrischen Antrieb ein.
Werner von Siemens führte erstmals den elektrischen Antrieb ein.

In fast jeden Bereich unseres Lebens hat der Umgang mit elektrischen oder elektronischen Geräten und Anlagen Einzug gehalten und gilt oft als Selbstverständlichkeit. Die Sicherheit und einwandfreie Funktionsfähigkeit dieser Geräte und Anlagen ist aber keinesfalls eine Selbstverständlichkeit, doch nicht zuletzt dank der Arbeit des Geschäftsbereiches Elektrotechnik, Brandschutz und Explosionsschutz des TÜV AUSTRIA können wir sicher gehen, dass die TÜV-geprüften Anlagen und Geräte den derzeit gültigen Bestimmungen entsprechen und bei richtiger Verwendung kaum Gefahr besteht.

Von Judith POINTNER, Bearbeitung: Dipl.-Ing. Klaus ORTNER, Recherche: Josef MAHRLE

So natürlich unser Umgang mit Elektrizität heute sein mag, so rätselhaft und mysteriös waren elektrische Phänomene, wie zum Beispiel Blitzentladungen, noch vor wenigen hundert Jahren. Man erklärte sich die „wundersamen“ Ereignisse mit Hexerei, Zauberkraft oder dem Werk der Götter.

Im 17. Jahrhundert schließlich begann die wissenschaftliche Beschäftigung mit dem Thema. In den folgenden Jahrhunderten sollten Pioniere der Technik wie Otto von Guericke mit seiner Schwefel-Kugel-Elektrisiermaschine, Benjamin Franklin mit seinem ersten „Blitzableiter“ oder Luigi Galvani mit seinem makabren Froschschenkelexperiment bahnbrechende Erkenntnisse liefern.

Vielleicht lässt sich Galvanis Experiment als Geburtsstunde der Wissenschaften Elektrotechnik und Nachrichtentechnik bezeichnen: Als der Anatom Mitte des 18.Jahrhunderts den Nerv eines abgetrennten Froschschenkels mit seinem Skalpell berührte, zuckte dieser plötzlich. Damit legte der Italiener den Grundstein für die spätere Entwicklung elektrochemischer Zellen durch Alessandro Volta, der um 1800 die erste chemische Batterie erfand. Der Physiker hatte erkannt, dass zwei unterschiedliche Metalle die Ursache für den Fluss von elektrischem Strom und daher auch für die, lange Zeit unerklärlichen Froschschenkel-Zuckungen waren.

Mit ihren Erklärungen zum Zusammenhang zwischen Elektrizität und Magnetismus ebneten Wissenschaftler wie Michael Faraday, Hans Christian Oerstedt, Thomas A. Edison, Hendrik Antoon Lorentz oder auch Nikola Tesla dem Einzug des elektrischen Stroms den Weg in unser Alltagsleben.

So gelang es dem dänischen Physikprofessor Christian Oerstedt 1820 nachzuweisen, dass elektrischer Strom und Magnetismus zusammenhängen. Bei seinen Experimenten schickte er Strom durch einen Draht, wodurch sich eine Magnetnadel, die sich unterhalb des Drahtes befand, zu drehen begann. William Sturgeon kehrte diesen Effekt vier Jahre später um und erfand so den Elektromagnet – eine wichtige Voraussetzung für den Bau eines Elektromotors.

Nach der Entdeckung der Elektromagnetischen Induktion durch Michael Faraday im Jahr 1831 ließ die nächste Sensation nicht lange auf sich warten: Nur ein Jahr darauf baute der Franzose Hippolite Pixii den ersten drehenden Stromerzeuger, den Einphasen-Wechselstromgenerator, der uns heute in seiner einfachsten Form als Dynamo auf unseren Fahrrädern begleitet.

Um die Wende zum 20.Jahrhundert setzte mit der Erfindung des elektrischen Lichtes und der schrittweisen Einführung einer flächendeckenden Stromversorgung ein regelrechter „Stromboom“ ein.

Der heutige TÜV AUSTRIA, damals noch als Gesellschaft organisiert, kam zu dieser Zeit im Rahmen der Aufzugsprüfungen in Kontakt mit dem Tätigkeitsgebiet, als der Dampfmaschinen-Antrieb der Aufzüge nach und nach durch den elektrischen Antrieb – erstmals eingeführt von Werner von Siemens im Jahr 1880 – ersetzt wurde. Der Schwerpunkt bei der Prüfung von Aufzügen verlagerte sich in der Folge immer mehr auf die Prüfung elektrische Steuerungen.

Fortwährend reagierte der TÜV auf die Anforderungen der Zeit: Als die Feuerversicherungsanstalten um 1900 verlangten, dass bei Bränden in Folge eines Kurzschlusses ein Untersuchungsbefund vorgelegt wird, der die Einhaltung der Bestimmungen des Elektrotechnischen Vereines bestätigt, wurde bald eine Übereinkunft mit dem Fabriksversicherungs-Teilverband getroffen.

Von nun an waren TÜV-Techniker berechtigt die nötigen Untersuchungen durchzuführen und Befunde auszustellen – erste Schritte auf dem Gebiet des Brandschutzes, sozusagen. Wenig später, nämlich im Jahr 1904, wurde die Revision elektrischer Starkstromanlagen in das Dienstleistungsportfolio aufgenommen. Den Gegebenheiten und sich häufenden Aufträgen entsprechend, investierte der TÜV mehr und mehr in die Ausbildung von Fachkräften und in die Anschaffung der nötigen technischen Ausrüstung.

Geburtsstunde des Geschäftsbereichs Elektrotechnik

1945 sah sich der TÜV am Boden, was sich aber bald wieder änderte, da sich die österreichische Wirtschaft relativ rasch wieder erholte und die Industrie, nicht zuletzt auf Grund der immer komplexer werdenden Technik, die Notwendigkeit unabhängiger, qualifizierter Sachverständiger erkannte.

So gelang es dem Verein schnell sich seinen festen Platz in der Wirtschaft zu sichern. Das Gebäude in der Krugerstraße in Wien, welches im Krieg völlig ausgebrannt war, wurde mit den Mitteln des Wiederaufbaufonds restauriert und konnte 1955 bezogen werden. Gleichzeitig schlug mit der innerbetrieblichen Umorganisation die Geburtsstunde des eigenen Geschäftsbereichs Elektrotechnik, als die Abteilung Aufzüge, Elektrotechnik und Sprinkler aufgeteilt wurde.

Elektrotechnik heute: Ein umfassendes Paket von Dienstleistungen

Im Laufe der Jahre entwickelte sich das Dienstleistungsangebot rasant, immer mehr Tätigkeiten mussten ins Repertoire aufgenommen werden, um mit der technischen Entwicklung und dem wachsenden Normungsumfang in Industrie und Technik Schritt halten zu können.

Jedes Jahr werden Messungen, Prüfungen und Inspektionen an mehreren Tausend elektrotechnischen Anlagen und Betriebsmitteln durchgeführt.

Auf Basis seiner in über 100 Jahren erworbenen Erfahrung und seiner kontinuierlichen Weiterentwicklung verfügt der TÜV AUSTRIA heute auf dem Gebiet der Elektrotechnik über fachübergreifendes Know-How in einem Umfang, wie es sicher nur wenige Firmen aus einer Hand anbieten können: Anlagentechnik, Energietechnik, Mess-, Steuer- und Regelungstechnik, Prozessleittechnik, elektrische Ausrüstung von Maschinen sowie die Bereiche Explosionsschutz, Blitzschutz, kathodischer Korrosionsschutz, Brandschutz und Thermographie - Prüfungen vom kleinen Endschalter bis zur großen Kraftwerksanlage.

Der Bereich Elektrotechnik ist heute dem Geschäftsfeld Industry & Energy zugeordnet.

Samuel Morse schickte im Jahr 1837 die erste Botschaft durch eine Drahtleitung, an der ein Elektromagnet angeschlossen war.

Kommunikations- und Informationstechnologien sind aus unserem Alltag kaum mehr wegzudenken. Wir werden ständig von Computern, Smartphones und anderen elektronischen Geräten begleitet. So beträgt laut Statistik Austria die Handy-Dichte in Österreich 137 Prozent, was bedeutet dass der Österreicher durchschnittlich 1,37 Mobiltelefone besitzt. Zwar erleichtern uns diese modernen Technologien den Alltag wesentlich, sie bergen aber auch Gefahren.

Denn nicht nur von Handys, sondern auch von einer Vielzahl anderer Geräte des täglichen Gebrauchs gehen elektromagnetische Strahlungen aus, die Einfluss auf die Umwelt haben. Die Arbeit des noch recht jungen Fachbereichs Nachrichtentechnik, Informationstechnik und EMV zeigt, dass sich der TÜV AUSTRIA im Laufe der Jahre immer den Gegebenheiten der Zeit angepasst, auf neue Entwicklungen schnell reagiert und sein Dienstleistungsportfolio so ständig erweitert hat. Mit der fortschreitenden Digitalisierung unserer Welt werden sicher noch viele neue Aufgabenstellungen hinzukommen – nun werfen wir aber einen Blick auf die Vergangenheit der Abteilung und die Geschichte der Nachrichtentechnik, die eng mit der der Elektrotechnik zusammenhängt.

Von Judith POINTNER, Recherche: Josef MAHRLE

 

Der Telegraph – wie alles begann…

Als Vorläufer des Telegraphen, der erstmals die Übersendung von Texten über größere Distanzen ermöglichte, gelten Nadeltelegrafgeräte, die in 1830er Jahren entstanden: Mittels Strom drehte sich eine Magnetnadel und zeigte in bestimmte Richtungen. Der Durchbruch gelang schließlich Samuel Morse: Im Jahr 1837 schickte er die erste Botschaft durch eine Drahtleitung, an der ein Elektromagnet angeschlossen war. Floss Strom durch den Magneten, so wurde ein Stift von seiner geraden Linie abgelenkt und zeichnete Zacken, denen Zahlen und Bedeutungen zugeordnet waren. Seine erste, nicht sehr ausgefallene Nachricht: „Gelungener Versuch mit Telegraph September 4. 1837“. In der Folge wurde die Technik weiterentwickelt, bald entstand das Morse-Alphabet aus Punkten und Strichen.

1843 ließ der US-Kongress eine 60 Kilometer lange Telegraphenleitung von Baltimore nach Washington DC errichten. Die Ereignisse auf dem Gebiet der Nachrichten und Informationstechnik überschlugen sich in den kommenden Jahren: der Phonograph von Edison, die Lochkartenmaschine von Hollerith als Vorläufer unseres Computers und der Schallplattenspieler von Berliner waren nur einige Meilensteine. Zu Beginn des 20.Jahrhunderts startete das Radio seine Erfolgsgeschichte.

Als Vorreiter auf diesem Terrain gilt der Österreicher Otto Nussbaumer, der später in Salzburg als Prüfer für Dampfkessel, Starkstromanlagen und Automobile tätig war. Ihm gelang die erste Sprache-Musik-Funkübertragung.

Mit den rasanten Entwicklungen in den Bereichen Funk, Radio, Fernsehen und Computer im Laufe des 20.Jahrhunderts erkannten auch die Techniker des TÜV, dass es unumgänglich war, sich hier einzubringen.

Als im Jahr 1980 das Institut für Medizintechnik, das zu dieser Zeit noch der Abteilung Elektrotechnik untergeordnet war, gegründet wurde, begann Dipl.-Ing. Franz Josef Fegerl in seiner Funktion als Leiter des Institutes, auch schrittweise mit dem Aufbau der Prüfstelle für Nachrichtentechnik und elektromagnetische Verträglichkeit (EMV). Techniker des Institutes für Medizintechnik führten dort erste Messungen an elektrischen Betriebsmitteln, die elektromagnetische Strahlung abgeben, durch.

Der eigene Fachbereich Nachrichtentechnik, Informationstechnik und EMV entstand schließlich im Jahr 1994 und ist bis heute dem Geschäftsbereich Medizintechnik, den Dipl.-Ing. Fegerl bis dato leitet, untergeordnet. Erster und zu Beginn einziger Mitarbeiter war Ing. Wilhelm Seier, der seither die Leitung der Prüfstelle innehat, wo heute vier qualifizierte und spezielle ausgebildete TÜV-Techniker arbeiten. 1995 öffnete das neue und höchst modern ausgestattete EMV-Messlabor im Prüfzentrum Wien 23 seine Pforten.

Das Labor wurde in Zusammenarbeit mit Siemens errichtet und konnte mit einer Österreichpremiere aufwarten: Rund 22.000 Stück Ferrit-Gitterabsorber mit besonders hoher Reflexionsdämmung wurden an Decken und Wänden montiert – mehr als je zuvor in der Alpenrepublik.

Zusätzlich verfügte das Labor über fortschrittliche PC-kontrollierte, vollautomatisch arbeitende Messempfänger von Rohde & Schwarz – Alles „State of Art“, wie die Verantwortlichen stolz verkündeten.

Fortan sollten in dem EMV-Prüfraum Mobiltelefone, Funkgeräte, Faxgeräte, Radio- und Fernsehempfänger, Elektrohaushaltsgeräte, Leuchten, Computer und vor allem elektrische bzw. elektronische Industrieausrüstungen TÜV-geprüft werden.

Rasante Erweiterung der Dienstleistungen in wenigen Jahren

In den Anfängen konzentrierte man sich vorwiegend auf sicherheitstechnische Prüfungen. Bis heute beurteilt der Fachbereich die Sicherheit von elektronischen Geräten und Geräten der Informationstechnik.

Im Laufe der Jahre erhielt der Fachbereich durch seine Mitgliedschaft bei internationalen Zertifizierungsabkommen CCA (Cenelec Certification Agreement) und CB (Certification Body Scheme) Berechtigungen, die für viele Hersteller, die weltweit agieren, wesentliche Verbesserungen brachten: Durch einen positiven TÜV-Prüfbericht konnten nun auch ausländische Zertifizierungen und Prüfzeichen für die Produktgruppen Medizingeräte, Büro- und IT-Geräte sowie Audio-, Video- und ähnliche elektronische Geräte ohne weitere Untersuchungen erworben werden.

Durch das Inkrafttreten der Richtlinie 99/5/EG über das Inverkehrbringen von Funkanlagen und Telekommunikationseinrichtungen erweiterte sich das Dienstleistungsportfolio des Fachbereichs. Der TÜV AUSTRIA war nun berechtigt, alle Zertifizierungsaufgaben für Funkgeräte und Anlagen durchzuführen, die für den Marktzugang in der EU erforderlich sind. Der Fachbereich streckte seine Fühler aber auch über den Europäischen Wirtschaftsraum hinaus: Auf Basis des MRA-Vertrags zwischen den USA und der Europäischen Kommission werden TÜV-Austria-Konformitätsbewertungsverfahren für Funkgeräte auch in den USA anerkannt.

Im Jahr 2000 trat das Übereinkommen in Kraft und der TÜV AUSTRIA ist seither TCB (Telecommunication Certification Body), benannt durch die Europäische Kommission. Bis zu diesem Zeitpunkt verfügte nur die Federal Communications Commission (FCC) Berechtigungen dieser Art. Derzeit strebt der Fachbereich nach einer Erweiterung dieser Berechtigung in Kanada.

Mit dem Handy-Boom in den späten 90er Jahren und der folglich stark steigenden Zahl von Sendeanalgen nahm auch die öffentliche Diskussion und Sensibilisierung der Bevölkerung für das Thema EMV zu. Befürchtungen bezüglich „Elektrosmog“ und Co. häuften sich.

Auch in diesem Bereich agierte der Fachbereich am Puls der Zeit und ist als unabhängige und unparteiliche EMVU-Prüfstelle in der Lage, die Stärke elektromagnetischer Felder zu messen und somit ihr Gefahrenpotential zu beurteilen.

Techniker führen beispielsweise Messungen am Arbeitsplatz und in der unmittelbaren Umgebung von Sendungsanlagen durch.

Weitere Aufträge eröffneten sich im Rahmen der EMV-Richtlinie 2004/104/EG, in der die Beurteilung der EMV-Eigenschaften von Geräte verbindlich festgelegt ist. Annähernd alle Geräte, die elektrische und/oder elektronische Bauteile enthalten, fallen in diesen Geltungsbereich und müssen daher gewisse Grenzwerte für die Emission sowie Mindestanforderungen für die Immunität einhalten. Für die CE-Kennzeichnung schreibt die Richtlinie die Beurteilung von Geräten und Anlagen entsprechend einem Konformitätsbewertungsverfahren vor.

Als akkreditierter „Notified Body“ ist die EMV-Prüfstelle in der Lage, alle dazu nötigen Prüfungen und Bewertungen durchzuführen.

Der Bereich Nachrichtentechnik / EMV ist heute dem Geschäftsfeld Infrastructure & Transportation zugeordnet.

 

 

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 „Hält das Produkt denn auch, was es verspricht?“ - Wie erkennt man als Verbraucher, dass eine Ware den gängigen Anforderungen entspricht, dass man ein Qualitätsprodukt kauft?

Von Judith POINTNER, Recherche: Josef MAHRLE

Früher, zu jener Zeit, als die Waren Großteils aus unserem unmittelbaren Umfeld kamen, als beispielsweise der angesehene Dorftischler, den wir persönlich kannten, das Schaukelpferd für unser Kind zimmerte, war das ein Leichtes.

Außerdem konnte man sich auf die hohe Qualität eines Herstellers mit bekannt „gutem Ruf“ verlassen.

Auch regionale oder allgemeine Herkunfts-Angaben wie „Waldviertler Handarbeit“ oder „Made in Austria“ ließen uns ein gutes Produkt auf einen Blick erkennen.

Heute, da die Globalisierung immer weiter voranschreitet und die innereuropäischen Grenzen weit offen sind, erreichen immer mehr Waren unbekannter Herkunft unsere Märkte, die den Originalen oft zum Verwechseln ähnlich sind, deren Gebrauchswert aber selten erreichen.

Win-Win-Situation für Hersteller und Konsumenten

Daher gehen Hersteller zunehmend dazu über, ihre Produkte von unabhängigen Instituten – wie dem TÜV AUSTRIA – prüfen zu lassen. Eine Win-Win-Situation: Denn diese hoch technischen Prüfungen bieten nicht nur dem Hersteller Sicherheit im Sinne der Produkthaftung beim Markteintritt sondern auch dem Endverbraucher, der sich dank des Prüfzeichens auf die Qualität verlassen kann. Daher sollte man als Käufer darauf achten, dass das Produkt zumindest das „Geprüfte Sicherheit“-Siegel (GS-Zeichen) aufweist.

Dieses können Hersteller freiwillig nach einer Prüfung durch eine akkreditierte Stelle anbringen und dadurch nachweisen, dass ihr Produkt den Vorschriften des deutschen Geräte- und Produktsicherheitsgesetzes (GPSG) entspricht.

Der TÜV AUSTRIA ist dazu berechtigt, solche Zeichen zu vergeben. Das TÜV AUSTRIA-Prüfzeichen geht sogar noch weiter: Produkte mit diesem Siegel erfüllen nicht nur die gesetzlichen Mindestanforderungen, sondern zeichnen sich auch durch eine dem Verwendungszweck angepasste Zuverlässigkeit und Qualität aus.

Produktsicherheit – schon seit langem ein zentraler Tätigkeitsbereich des TÜV AUSTRIA

Die dazu erforderlichen Prüfungen werden von den Experten des noch recht jungen Geschäftsbereichs „Produktsicherheit“ des TÜV AUSTRIA durchgeführt. Obgleich jener erst vor zwei Jahren in Leben gerufen wurde, war die Produktsicherheit schon seit jeher einer der zentralen Tätigkeitsbereiche des TÜV AUSTRIA.

Die Situation auf dem Sektor jener Produktprüfungen, die nicht gesetzlich vorgeschrieben sind, verschärfte sich aber für den TÜV zusehends, es konnten kaum neue Märkte erschlossen werden. Mit der Gründung eines eigenen Geschäftsbereichs, der aus Teilen der Geschäftsbereiche Elektrotechnik und Mechanik entstand, gelang es schließlich Alt- wie Neukunden von den Leistungen zu überzeugen.

Sieben versierte und erfahrene Mitarbeiter aus den Bereichen Elektrotechnik und Mechanik begannen im Juli 2010 ihre Arbeit für den neuen Geschäftsbereich „Produktsicherheit“ im Prüfzentrum Wien.

Anfängliche Komplikationen – „Heute brauchen wir uns nicht mehr zu verstecken“

Probleme gab es anfänglich hinsichtlich der Prüftechnik. Zwar waren für den Bereich Elektrotechnik die nötige Ausrüstung vorhanden, für den Bereich Mechanik – auf dem heute die wichtigsten Erträge erzielt werden – mussten zum Teil komplett neue Prüfmittel bereitgestellt werden. Viele davon sind TÜV AUSTRIA-Eigenentwicklungen, die sich vor Allem durch ihre Langlebigkeit auszeichnen. TÜV AUSTRIA bietet seinen Kunden auch an, das Prüfzentrum in Augenschein zu nehmen und zu bewerten. Das Vertrauen in die Arbeit der Experten und die Achtung der Ergebnisse ist enorm gewachsen.

Der Geschäftsbereich Produktsicherheit – Von der Schneekette bis zum Kinderwagen

Bald nach der Gründung wurden die ersten GS-Zeichen für Spielplatz- und Freizeitgeräte sowie für Kinderwagen vergeben. Zu Beginn waren es vor allem deutsche Firmen, die die Dienstleistungen der neuen Abteilung in Anspruch nahmen.

Waren vor 2010 nur etwa fünf bis zehn GS-Zeichen für Schneeketten vergeben worden, so sind es heute schon fast 100 – für die unterschiedlichsten Produkte, vom Kinderwagen bis zum Möbelstück. Durch die ständige Erweiterung unseres Dienstleistungsportfolios und der Neu- oder Weiterentwicklung unserer Prüftechnik wird der TÜV AUSTRIA nun neben den großen deutschen Konkurrenten als verlässliches Prüfinstitut am österreichischen und deutschen Markt wahrgenommen.

Heute ist der Bereich Produktsicherheit im Bereich Industry & Energy angesiedelt.

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Ohne Sicherheit vermag der Mensch weder seine Kräfte auszubilden, noch die Frucht derselben zu genießen. Denn ohne Sicherheit ist keine Freiheit. Wilhelm von Humboldt Qualität und Sicherheit sind heute für Konsumenten wie für Unternehmen Werte von höchster Relevanz. Genauer gesagt ist die Zertifizierung natürlich viel mehr, ein mehrstufiger Prozess, getragen von erfahrenen Sachverständigen, mit dem Ziel, die Einhaltung bestimmter Anforderungen nachzuweisen und so Qualität sicherzustellen.

Von Judith POINTNER, Recherche: Josef MAHRLE

Zu Beginn war die Gewerberechtsnovelle

Seit seiner Gründung im Jahr 1872 steht der TÜV – damals noch „Dampfkesselversuchs- und versicherungsgesellschaft“ genannt – im Dienste der Sicherheit. Doch wie kam es zu einem eigenen Geschäftsbereich, der ausschließlich auf dem Gebiet der Zertifizierung agiert und in der weiteren Folge zur Gründung der TÜV AUSTRIA CERT GMBH?

Den Ausschlag gab die Gewerberechtsnovelle 1988. Durch sie wurde der Paragraph 82b geschaffen, der eine erstmalige Prüfung aller Betriebsanlagen Österreichs bis 01.01.1994 vorschrieb. Ebenfalls festgelegt wurden wiederkehrende Überprüfungen als Verpflichtung für den Inhaber einer Betriebsanlage. Damit war ein wichtiger Schritt in Richtung mehr Eigenverantwortung anstelle behördlicher Kontrollen und somit auch in Richtung Entbürokratisierung getan. Denn der Anlageninhaber hatte ab diesem Zeitpunkt die Möglichkeit, selbstständig Spezialisten für die Prüfung zu beauftragen. Aber viel mehr als nur eine Verpflichtung, war und ist diese Bestimmung eine Chance für den Betreiber, Mängel schnellstmöglich zu beheben, Verbesserungspotentiale zu erkennen, zu nutzen und damit persönliche Rechtssicherheit zu erlangen.

Doch das Wissen über die österreichische oder vielmehr die europäische Gesetzgebung stellt für viele Betriebe eine große Herausforderung dar, zu leicht kann man sich im Paragraphendschungel verirren. Der Bereich „Technik und Recht“ der TÜV AUSTRIA Cert führt Prüfungen von gesamten Rechtsbereichen eines Unternehmens durch. Heute ist TÜV AUSTRIA die einzige in Österreich akkreditierte Stelle für Prüfpflichten nach §82b der GewO.

Unternehmen meldeten Prüfbedarf beim TÜV Österreich an

Bereits 1990 meldeten mehrere Unternehmen, darunter auch Großkunden wie etwa die OMV Prüfbedarf beim TÜV an. Um die Aufträge zu bewältigen, wurde im selben Jahr eine neue Abteilung mit fünf Mitarbeitern ins Leben gerufen: Die Stabstelle für Sonderaufgaben, die in in „ISA“ – Institut für Sonderaufgaben umbenannt wurde. Die Leitung der in der Krugerstraße angesiedelten Abteilung übernahm Dr. Walter Schebesta.

Management braucht Qualität und Qualität braucht Management

Als sich die Abteilung 1992 vermehrt mit der Zertifizierung von Managementsystemen nach der Norm EN 29001, die der heutigen ISO 9001 entsprach, beschäftigte, erfolgte die Umbenennung in den Geschäftsbereich ZMG – Zertifizierung Managementsysteme und Gewerbeordnung. Als Leiter wurde Dipl.-Ing. Zinke eingesetzt.

Da es hierzulande noch keine Akkreditierungsstelle gab und der TÜV Österreich Mitglied der TÜV CERT in Bonn war, erfolgte die erste Akkreditierung in Deutschland durch die Trägergemeinschaft für Akkreditierung, kurz TGA. Bereits 1996 begann man mit der Durchführung von Umweltaudits nach ISO 14001. Mit den steigenden Auftragszahlen wuchs auch der Mitarbeiterstamm, heute beschäftigt die TÜV Austria Cert 55 Angestellte. Jene Sachverständigen gaben und geben ihr Wissen auch in Schulungen und Vorträgen weiter - vorerst in Zusammenarbeit mit dem WIFI, später in der hauseigenen TÜV Akademie.

Akkreditierung zur Zertifizierung von Qualitätsmanagement-Systemen

In Österreich erhielt die ZMG 1998 vom Bundesministerium für wirtschaftliche Angelegenheiten die Akkreditierung zur Zertifizierung von Qualitätsmanagement-Systemen nach ISO 9000ff und ISO 14001. Diese Zertifizierung gewinnt seit Jahrzehnten an Bedeutung im internationalen Wettbewerb.

Denn durch die fortschreitende Globalisierung ist es besonders wichtig geworden, das Vertrauen der Kunden zu gewinnen und zu erhalten. Zertifikate durch eine unabhängige Stelle wie den TÜV Austria schaffen ein solches.

Weitere Akkreditierungen sollten in den Jahren darauf folgen: 2000 jene für SCC und 2005 jene für die Arbeitssicherheitsnorm OHSAS 18001. 2012 jene für ÖNORM EN 50001 Energiemanagement und ISO 29990 Qualitätsmanagementsysteme für Einrichtungen der Aus- und Weiterbildung.

Die TÜV AUSTRIA Cert – Sachverständige mit Sachverstand

Mit der Umgründung des TÜV im Jahre 2007 wurde der Geschäftsbereich ZMG in die TÜV Austria Cert GmbH übergeführt. Im selben Jahr erhielt die Abteilung Technik und Recht den Status einer eigenen akkreditierten Inspektionsstelle.

Derzeit verfügt sie über neun Einzelakkreditierungen, die allesamt Prüfungen gesamter Rechtsbereiche darstellen.

„Leistungs-, Wachstums-, Kunden- und Zukunftsorientierung“, das sind die Schlagwörter der TÜV AUSTRIA Cert-Unternehmensphilosophie. Von 2007 bis 2011 hat sich der Umsatz und die Anzahl der Mitarbeiter verdoppelt, die Anzahl der Dienstleistungen sogar vervierfacht. Jährlich wächst die Zahl an vergebenen Zertifikaten um rund 12 Prozent. Zufriedene Großkunden im In- und Ausland wie ÖBB, Asfinag, Sandoz, der Flughafen Frankfurt, Tyrolit, Wienerberger oder Palfinger sowie die 2012 verliehene österreichische Staatsauszeichnung zeugen von der hochwertigen Arbeit.

Ausgezeichnet mit dem österreichischen Staatswappen für herausragende Leistungen und besondere Qualität

TÜV AUSTRIA CERT GMBH ist heute im Business Unit Certification eingliedert als eine international tätige Zertifizierungs- und Inspektionsgesellschaft und genießt mit ihren fachspezifischen Schwerpunkten in den Bereichen Qualität, Sicherheit, Umwelt und Hygiene einen ausgezeichneten Ruf.

Diesen verdankt sie allen voran ihren Experten und Auditoren, allesamt Praktiker mit hoher Fachkompetenz und großer Berufserfahrung - Sachverständige mit Sachverstand, die hinter den Kulissen für Sicherheit sorgen.

Ausgezeichnet mit dem österreichischen Staatswappen für herausragenden Leistungen und besondere Qualität.

Das Business Unit Certification ist Teil des Geschäftsfeldes Life, Training & Certification.

Technik und Recht agiert heute im Geschäftsfeld Service Providers & Public.

 

 

„Eine Investition in Wissen bringt immer noch die besten Zinsen“ – was der amerikanische Staatsmann und Naturwissenschaftler Benjamin Franklin im Jahre 1776 feststellte, ist auch für den heutigen TÜV AUSTRIA und seine Vorgänger seit der Gründungszeit zentraler Bestandteil der Unternehmensphilosophie.

Als Kompetenzzentrum für Bildungsdienstleistungen in den Bereichen Sicherheit, Technik, Qualität und Umwelt trägt die TÜV AUSTRIA Akademie dieser Denkart seit Jahrzehnten Rechnung.

Von Judith POINTNER, Recherche: Josef MAHRLE

Aus- und Weiterbildung: Seit Anbeginn Zutaten des Erfolgsrezeptes
Doch nicht erst seit der Gründung der Akademie im Jahr 1989 sind Aus- und Weiterbildung wesentliche Zutaten des Erfolgsrezeptes des TÜV. Schon kurz nachdem sich führende Vertreter der Industrie und technische Fachleute am 11.Juni 1872 zusammenfanden, um die „Dampfkesseluntersuchungs- und Versicherungsgesellschaft auf Gegenseitigkeit“ ins Leben zu rufen, veranstaltete die Organisation Unterrichtskurse für Kessel- und Maschinenwärter an verschiedenen Orten der Monarchie.

Denn sowohl für die Sicherheit als auch für die Wirtschaftlichkeit eines Dampfkessel- und Dampfmaschinenbetriebes waren gut ausgebildete Personen, die die Wartung durchführten, unerlässlich.

Expansion verlangt nach Fachwissen

In den vergangenen 140 Jahren hat sich das Tätigkeitsfeld des heutigen TÜV AUSTRIA enorm ausgedehnt, was sich an der Fülle der bestehenden Geschäfts- und Fachbereiche zeigt. Zentral war dabei immer, sich stetig den Gegebenheiten der Wirtschaft, Gesellschaft und Technik anzupassen. Lag der Schwerpunkt in den ersten Jahren auf Dampfkesseln und Aufzügen, wurde die Revision von Starkstromanlagen bereits 1904 in das Tätigkeitfeld aufgenommen – 1955 entstand der Geschäftsbereich Elektrotechnik.

Professor Dr. Wilhelm Exner, Schüler des ersten Präsidenten der Dampfkesseluntersuchungs- und Versicherungsgesellschaft Freiherr von Burg, war es, der 1908 die Gründung der dampf- und wärmetechnischen Versuchsanstalt in Wien anregte. Dort führten Techniker erste Versuche auf dem Gebiet des Materialprüfwesens durch und suchten nach umweltschützenden wie energiesparenden Maßnahmen, zum Beispiel durch die Verfeuerung von Abfallprodukten.

Diese Aktivitäten können wohl als die frühen Vorläufer der Geschäftsbereiche Werkstoffprüfung und Umweltschutz bezeichnet werden. In den späten 1970er Jahren streckte der TÜV seine Fühler auch im Bereich der Medizintechnik aus. Und das erfolgreich – wie sich an der Geschichte der Abteilung Medizintechnik zeigt. Wenig später, im Jahr 1986 wurde der Geschäftsbereich Spiel-, Sport- und Freizeitgeräte ins Leben gerufen. 1994 folgte die Abteilung Nachrichtentechnik unter der Leitung von Ing. Wilhelm Seier. Im Jahr 2007 nahmen die Mitarbeiter des Geschäftsbereichs Bautechnik ihre Arbeit auf, 2010 die der Produktsicherheit.

Parallel zum wachsenden Dienstleistungsportfolio stiegen auch die Auftragszahlen. Wurden zur Zeit der Gründung noch 1000 Kessel überprüft, hatte sich die Zahl in nur drei Jahren verdreifacht. Damit bei so viel Arbeit kein Fachwissen verloren geht und dieses auch gezielt weitergegeben wird, öffnete die TÜV AUSTRIA Akademie 1989 ihre Pforten in der Wiener Krugerstraße – mit dem Ziel Bildung zu bündeln und auf neutralem Boden Erfahrung weiterzugeben.

Denn Wissen ist Macht und gerade in einer Zeit in der sich die Technik rasant weiterentwickelt und immer komplexer wird, in der sich Gesetze rasch wandeln und ständig neue dazukommen und in der der Sicherheitsgedanke mehr und mehr in den Köpfen der Gesellschaft verankert ist, ist gut ausgebildetes Personal, das mit der Technik auf Augenhöhe steht, unverzichtbar.

 

Staatliche Auszeichnung und Ö-CERT

Ein weiterer Meilenstein in der Geschichte der Akademie ist deren staatliche Auszeichnung, die 2012 von Bundesminister Mitterlehner übergeben wurde. Diese erhalten nur Unternehmen, die sich durch außergewöhnliche Leistungen um die österreichische Wirtschaft Verdienste erworben haben und im betreffenden Wirtschaftszweig bundesweit eine führende Stellung einnehmen.

Auch die Zertifizierung nach ISO 9001:2008 und ISO 29990 sind Zeugnisse der hochwertigen Arbeit der Akademie. Zusätzlich hat das Unternehmen das Ö-CERT erhalten und ist als Qualitätsanbieter in der Erwachsenenbildung gelistet.

Durch unzählige Fachseminare und Lehrgänge hat sich die Akademie in den letzten Jahren einen Namen auf dem österreichischen Bildungsmarkt gemacht. Kursteilnehmer profitieren hier von der jahrelangen Erfahrung und dem Fachwissen von über 1.000 Experten der TÜV Austria Gruppe sowie von namhaften Referenten aus Wirtschaft, Industrie und Behörden. Unter dem Motto „Mit Herz, Hirn und Hand“ vermittelt die Akademie ihren Kunden Fachkompetenz und praxisorientiertes Wissen. Damit unterstützt sie den seit über 140 Jahren bestehenden Gründungsauftrag der einstigen „Dampfkesseluntersuchungs- und Versicherungsgesellschaft“ zur Erhöhung von Sicherheit und Qualität.

Der Bereich Ausbildung und Weiterbildung ist heute Teil des Geschäftsfelds Life, Training & Certification.

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