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Newsartikel

Der TÜV AUSTRIA Qualitätstag 2017: die große Chance auf den richtigen Kurs

  •   30.10.2017
  •   Business Assurance Digital Services
  •   Erstellt von TÜV AUSTRIA Akademie

Beim Online-Kauf von Druckerpatronen werden Daten abgefragt, gespeichert und verwendet. Was hat die neue EU-Datenschutzgrundverordnung mit der Erfüllung von Qualitätsmanagementnormen zu tun?

Der TÜV AUSTRIA Qualitätstag, an dem über 200 Qualitätsmanager/innen teilnahmen, stand ganz im Zeichen von Chancen und Risiken, die sich für Unternehmen aufgrund der neuen EU-Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) und revidierter ISO-Normen ergeben. Die mit Spannung erwartete Expertentagung wurde mit dem wichtigen Hinweis eröffnet, dass die EU-DSGVO bereits mit 25.Mai 2018 in Kraft tritt.

„Schau ma` mal“ ist kein praktikabler Ansatz.
Datenschutz ist per se nichts Neues. Wer bereits vor 17 Jahren mit der Umsetzung des österreichischen Datenschutzgesetzes 2000 begonnen hat, wird sich mit der Compliance der EU-DSGVO leichttun. Neu sind klar definierte Rechte von Individuen. Werden Daten gespeichert und/oder verwendet, kann man ein sog. Auskunftsbegehren stellen und die Löschung, Richtigstellung oder Einschränkung fordern. Teuer wird es für Unternehmen, die das neue Datenschutzgesetz verletzen. Je nach Verstoß ist mit einem Strafausmaß von max. bis zu 20 Mio. oder 4% des gesamten weltweit erzielten Jahresumsatzes zu rechnen. Der Datenschutzexperte rät daher, mit dem Datenschutzprojekt rechtzeitig zu starten und alle beteiligten Abteilungen (Geschäftsführung, Qualitätsmanagement, IT & Security) miteinzubeziehen.

Hilfe, der Auditor kommt!
Interessante und praktikable Ansätze wurden in der Podiumsdiskussion mit Auditor/innen erläutert. Auf was ist bei der revidierten Qualitätsmanagementnorm ISO 9001:2015 zu achten? Einig ist man sich bei den Themen Führung und der Verankerung des risikobasierten Ansatzes. Für Betriebe ist es generell einfacher, Risiken zu identifizieren und zu bewerten als Chancen. Gutes Wissensmanagement, Kommunikation und Informationen rücken bei der Umsetzung der Norm ebenfalls in den Fokus. Die Expert/innen empfehlen, erworbenes oder vorhandenes Wissen anderen Mitarbeiter/innen in Form von Workshops, Kurzberichten, Firmenwikis oder über das Intranet zugänglich zu machen. Werden IT-Lösungen zum Wissenstransfer eingesetzt, muss die Eintrittsschwelle für Anwender/innen gering sein. Beim Setzen von Maßnahmen zum Umgang mit Risiken hat sich die Verwendung von einfachen, im Unternehmen üblichen Mitteln, anstelle von komplexen Werkzeugen gut bewährt. „Zu guter Letzt bildet die Betrachtung des Unternehmens im Kontext seiner internen und externen Umwelteinflüsse die Basis für erfolgreiches Risikomanagement“, so der Tipp vom Praktiker.

Alles unter einem Hut
Einige Normen befinden sich noch in der Revisionsphase, einige sind bereits publiziert und die Übergangsfristen definiert. Spannend war zu hören, dass deutliche Unterschiede zwischen den Normforderungen aus der ISO 13485:2016 (regelt Managementsysteme in der Medizin-produktebranche) und der ISO 9001:2015 bestehen. Die ISO 9001:2015 fordert mitunter eine High-Level-Structure sowie die explizite Betrachtung des Kontexts der Organisation. Wie können Unternehmen beide Normen in Einklang bringen? Der Normenexperte schlug vor, generell den Forderungen der ISO 9001:2015 nachzukommen und Änderungen als Chance zu sehen, um Verbesserungen zu erzielen.

Fehler als Chance
Beim Vortrag über Fehlerkultur von Ing.in Dr.in Karin Büchl-Krammerstätter (Leiterin der Wiener Umweltschutzabteilung) ging es ebenfalls um die Nutzung von Chancen. Gemäß Qualitäts-managementnorm ist ein Fehler die unbeabsichtigte Nichterfüllung einer Anforderung. Um Fehler als Chance nutzen zu können, gilt es, drei Dinge zu beachten: die Suche nach Ursache und Lösungen, der Fokus auf die Zukunft und die Vorbildwirkung der Führungskräfte. Eine gut funktionierenden No-Blame-Kultur muss von jedem einzelnen gelebt werden.

Anders denken, Chancen ergreifen.
Der Tiroler Key Note Speaker Hannes Treichl zog das Publikum mit etwas anderen Inhalten in seinen Bann. Er machte Mut zum Andersdenken und motivierte die staunenden Zuhörer/innen zum Zulassen von Fehlern. Das Qualitätsmanagement von morgen hat nur Zukunft, wenn Sinn und Zweck in einer stetigen Verbesserung und Weiterentwicklung liegen und nicht in der Sicherung von Qualität. Am Anfang muss nicht immer alles perfekt sein!
Neue Wege gehen, neue Chance ergreifen - diesen Ansatz verfolgt der Weltkonzern Coca-Cola. Um lange am Markt bestehen zu können, bedarf es eines guten Qualitätsmanagementsystems. Der Konzern nutzte Krisen bereits öfters als Chance und konnte durch Erkennen von Fehlern den Kurs korrigieren, um seine Marktposition auszubauen.

v.li.n.re.: Ing. Alexander Ladich, Hannes Treichl, Thomas Rochowansky, MBA, Ing.in Dr.in Karin Büchl-Krammerstätter, Stefanie Kirchhof, MA, Mag. (FH) Christian Bayer

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