TÜV AUSTRIA zertifiziert Grünen Wasserstoff

02.09.2022

Als direkte Reaktion auf Krisenerfahrungen im ökonomischen Zusammenhang und dem stetigen Verbrauch der natürlichen Ressourcen gilt seit den 1980er-Jahren „Nachhaltigkeit“ als Leitbegriff gesellschaftlichen Wandels. Gleichzeitig ist Nachhaltigkeit ein Innovationstreiber, der durch die zunehmende Debatte über globale Umweltprobleme zunehmend verstärkt wird.

TÜV AUSTRIA berät Kunden bei Zielen wie etwa der Verifizierung der Treibhausgas  oder Klimaneutralität und bietet Lösungsansätze im Bereich nachhaltiger Produktion. Dazu gehören etwa eigene Labels wie „OK compost“ oder „OK recycled“, die Produkte entsprechend klassifizieren. Ein weiterer Schritt in diese Richtung: Die Zertifizierung einer der wichtigsten Technologien am Weg zur Klimaneutralität: Grüner Wasserstoff. Gerade Wasserstofferzeugungs- und -anwendungstechnologien machten in den vergangenen Jahren große Fortschritte. Wurde bisher Wasserstoff überwiegend aus fossilen Rohstoffen erzeugt, wird der sogenannte „Grüne Wasserstoff“ aus diversen erneuerbaren Energiequellen hergestellt.

In allen Facetten

Die Wasserstoff-Farbenlehre unterscheidet zwischen grauem (konventionellen), grünen, blauen und türkisen Wasserstoff. Diese Farbcodes treffen eine Aussage über die Methode seiner Herstellung und die dabei entstehenden CO2-Emissionen.

Der sogenannte „Grüne Wasserstoff“ entsteht bei der Elektrolyse von Wasser. Bei dieser klimaneutralen Produktionsmethode setzt man ausschließlich auf Strom aus erneuerbaren Energiequellen, wie beispielsweise Wind und Solarenergie. Entsteht bei der Herstellung von Wasserstoff fester Kohlenstoff, wird von türkisem Wasserstoff gesprochen. Grauer Wassersiff hingegen wird aus fossilen Brennstoffen hergestellt und dabei CO2 in die Atmosphäre freigesetzt, was zum Treibhauseffekt beiträgt. Wird bei der Produktion CO2 abgetrennt und dauerhaft gespeichert, ist von blauem Wasserstoff die Rede.

Schlüsselrolle in der Energiewende

Thomas Fleischanderl, Leiter der Business Unit Umweltschutz bei TÜV AUSTRIA, erläutert klassische Anwendungsbeispiele für Grünen Wasserstoff: „Immer dort, wo eine Elektrifizierung von Antrieben nicht sinnvoll oder möglich ist, kann Grüner Wasserstoff als Kraftstoff im Verkehr eingesetzt werden. Durch Synthese mit CO2 lässt er sich in andere klimafreundliche Kraftstoffe umwandeln, welche besonders für den Schwerverkehr geeignet sind – etwa für LKW, Schiffe, Flugzeuge.

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Thomas Fleischanderl, Business Unit Leiter Umweltschutz (c) TÜV AUSTRIA

Zudem kann Grüner Wasserstoff als Energiespeicher fungieren und so volatile Energieformen wie Wind- und Solarstrom saisonal speichern. Bei der Rückverstromung kann er zu Kraft- und chemischen Grundstoffen weiterverarbeitet werden.“ Der Experte ergänzt: „In der chemischen Industrie spielt Wasserstoff als Rohstoff schon lange eine wichtige Rolle. Heutzutage wird Wasserstoff zum Großteil aus fossilen Energieträgern wie Erdgas erzeugt und ist somit CO2 belastet. Erst durch den Einsatz von Energie aus erneuerbaren Quellen für die Elektrolyse von Wasser entsteht ‚Grüner‘ Wasserstoff – ohne CO2 Emissionen.“

Und wie groß ist der Beitrag von Wasserstoff in Hinblick auf die Energiewende? „Es wird nicht die EINE Lösung geben. Strom aus erneuerbaren Quellen sollte vor dem Hintergrund der Energieeffizienz und des Ressourcenschutzes, wenn möglich direkt eingesetzt werden. Immer dort, wo man mit der Speicherung von elektrischer Energie an seine Grenzen stößt, ist Wasserstoff der ideale Energiespeicher. Gerade die Lagerung und der Transport von Wasserstoff sind seit langem gut beherrschbar“, attestiert Fleischanderl und ist sich sicher: „Grüner Wasserstoff wird eine Schlüsselrolle in der Energietransformation einnehmen. Industrie und Transport – besonders energieintensive Sektoren – müssen kurzfristig ihren CO2-Austoß massiv reduzieren, um in Zukunft umweltfreundlicher operieren zu können. Genau für diese sektorenübergreifenden CO2-Reduktionspotenziale ist Grüner Wasserstoff ein elementarer Hebel“.

TÜV AUSTRIA geprüft: Nachweislich klimafreundlich

Mit einem eigens von TÜV AUSTRIA entwickelten Zertifizierungsschema kann von unabhängiger Stelle der Nachweis erbracht werden, dass regenerativ hergestellter Wasserstoff mit deutlich geringeren Treibhausgas-Emissionen behaftet ist als herkömmlich erzeugter Wasserstoff oder fossile Kraftstoffe. Denn Grüner Wasserstoff kann auf eindeutig beschriebene, identifizierbare und quantifizierbare Quellen zurückgeführt werden. Als Basis der Zertifizierung dient die Erhebung der CO2-Emissionen der Wasserstoffproduktion – in Analogie zur ÖNORM EN ISO 14067. Die Norm leistet durch die Verifizierung des Product Carbon Footprints einen wichtigen Beitrag für eine nachhaltige Entwicklung in Hinblick auf den Klimawandel. Wird anhand einer Checkliste die Ermittlung der CO2-Emmissionen verifiziert und die bilanzbasierte Prüfung der Strom-Lieferbeziehung positiv absolviert, steht dem Zertifikat „Wasserstoff erzeugt aus erneuerbaren Energien“ nichts im Weg und das Engagement für eine nachhaltige, zukunftsfähige Energieversorgung kann damit objektiv belegt werden.

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