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Haber Makalesi

TÜV AUSTRIA Kälte-Klima Fachtage 2019: Die guten Stoffe

  •   03/26/2019
  •   Marketing Business Assurance
  •   Created by TÜV AUSTRIA Akademie

Die TÜV AUSTRIA Kälte-Klima Fachtage zogen auch dieses Jahr wieder ein Fachpublikum an; diesmal kamen die Teilnehmer/innen ins steirische Schloss Seggau.

60 Teilnehmer/innen tauschten an zwei Tagen zusammen mit den Referenten/innen Know-how aus: Die F-Gase-Verordnung, Dichtheitskontrollen und vor allem die Suche nach dem perfekten Kältemittel bewegt momentan die Branche. Welcher Stoff eignet sich für welche Anlage? Die Referent/innen begaben sich auf Spurensuche und banden auch das Publikum in die Diskussion mit ein.

 

Kältemittel werden in vielen Branchen eingesetzt: In der Automobilindustrie, dem Lebensmitteleinzelhandel, der Pharmazie und auch im Weinbau, wo die Temperatur im gesamten Herstellungsprozess eine wichtige Rolle für das Aroma spielt. Es gibt zwar eine Vielzahl an Kältemitteln, aber die Vorgaben werden durch die F-Gase-Verordnung (EU) 517/2014 über fluorierte Treibhausgase laufend strenger. Die F-Gase-Verordnung ist ein Beitrag, um die Emissionen des Industriesektors bis zum Jahr 2030 um 79 Prozent gegenüber 1990 zu verringern. Sie findet sich auch im Kigali-Amendment wieder, einer weiteren weltweiten Verpflichtung, den Klimawandel zu stoppen. Das Kigali Amendment unterstützt die F-Gase Verordnung ab 2019 auf globaler Ebene. Der Anstieg der Erderwärmung soll damit um 0,5 K reduziert werden. Österreich hat bereits mit dem so genannten ‚Phase-Down‘ begonnen, der Verringerung der F-Gase-Menge, die in Verkehr gebracht wird. Weitere Instrumente der F-Gase-Verordnung sind Nachfüllverbote und Emissionsbegrenzungen – das stellt eine ganze Branche vor eine Vielzahl an Herausforderungen. Diese wurden auf den Kälte-Klima Fachtagen aus mehreren Blickwinkeln betrachtet: etwa aus Sicht des Bertreibers, des Planers, des Vertriebs, des Amtssachverständigen und des Juristen. 

 

Die Qual der Wahl?

Prinzipiell wird von den Experten geraten, auf natürliche Alternativen wie Ammoniak, Propan, Propylen oder Isobutan umzusteigen und keinesfalls eine neue Kälteanlage mit dem Kältemittel R404A zu installieren. Vorzuziehen sind Kältemittel mit einem geringen Global Warming Potential (GWP), aber manche davon sind entweder brennbar oder toxisch oder beides. Betreiber sollten sich bei der Auswahl des Kältemittels nicht nur mit der Preisfrage beschäftigen, sondern auch mit der technischen Machbarkeit der Anlage und der langfristigen Verfügbarkeit des Kältemittels am Markt – immerhin ist noch nicht ganz klar, welche Grenzwerte die Zukunft noch bringen wird. Klar scheint aber zu sein, dass momentan kein Weg am brennbaren Kältemittel vorbeiführt. Um die Sicherheit von Personen und Sachwerten zu schützen, sind daher beispielsweise Gaswarnanlagen empfehlenswert – vor allem, wenn Anlagen nicht dauerhaft technisch dicht sind.

 

Können Sie dichthalten?

Nach Definition der TRBS 2152 gelten Anlagenteile als dauerhaft technisch dicht, wenn sie aufgrund ihrer Konstruktion technisch dicht bleiben oder die Dichtheit durch Wartung und Überwachung ständig gewährleistet wird. Dichtheitskontrollen sind also gesetzlich vorgeschrieben. Sie sind im Hinblick auf Anlagensicherheit und Umweltschutz entscheidend und sollen laut Umweltbundesamt neben der Wartung auch in Zukunft forciert werden. Auf den TÜV AUSTRIA Kälte-Klima Fachtagen diskutierten die Experten auf dem Podium darüber, was genau technisch dicht heißt und welche Schutzmaßnahmen zur technischen Dichtheit führen. Das Publikum beteiligte sich rege an der Diskussion und stellte Fragen aus der eigenen Berufspraxis. 

 

Zum Preis

Die Auswirkungen des Phase Down sind noch nicht abzuschätzen. Momentan fallen die Preise ein wenig, völlig entgegen der Prognose. Das lässt vermuten, dass sich entweder viele Betreiber mit Kältemitteln eingedeckt haben. Oder dass gebrauchte Kältemittel flächendeckend eingesetzt werden. Auch die illegalen Einfuhren könnten zugenommen haben. All das würde am Sinn der F-Gase-Verordnung vorbeigehen und bleibt auch nicht so günstig: Die Kosten auf alternative Kältemittel werden wahrscheinlich signifikant steigen. Betriebe können aber auch um Umweltförderung ansuchen, wenn sie klimarelevante Gase reduzieren und Kältemittel mit einem GWP von bis zu 150, also einem geringen Wert, verwenden. 

 

Was nehm' ich jetzt?

Die alles bestimmende Frage auf den TÜV AUSTRIA Kälte-Klima-Fachtagen war einmal mehr: Welches Kältemittel ist für meine Anlage geeignet? Seriös kann man diese Frage aber leider nicht beantworten. Das kommt auf den Temperaturbereich an und den Aufstellungsort der Anlage. Es kommt auf die gewünschte Lebensdauer an und darauf, welche Anforderungen prinzipiell an die Anlage gestellt werden. Wichtig ist nur, dass der Mittelwert aller eingesetzten Kältemittel den geforderten GWP aus der F-Gase-Verordnung nicht überschreiten. Und zwar langfristig, denn das Phase Down ist noch nicht abgeschlossen. Aber auch, wenn noch nicht bekannt ist, wohin die Reise geht, bedingt der Zusammenhang von Umweltschutz, Sicherheit und Effizienz ein deutlich größeres Fachwissen. Qualifikation braucht es sowohl bei der jährlichen Kontrolle einer Gaswarnanlage, als auch bei der Dichtheitsprüfung. Schulungen sind wichtig, um Angst im Umgang mit brennbaren Kältemitteln zu nehmen, aber auch, um den Respekt davor zu fördern. 

 

Wir bedanken uns bei allen Referenten/innen für den fachlichen Input:

Ing. Christian Holzinger (TB Holzinger Ingenieurgesellschaft mbH), DI Harald Erös (Takeda Pharmaceutical), DI Kurt Mayerhofer (TÜV AUSTRIA Services), Ing. Dr. Florian Berl (ONZ, ONZ, KREAMMER, HÜTTLER Rechtsanwälte GmbH), DI Dr. Anton Pirko (Amt der Niederösterreichischen Landesregierung), Christoph Riedl, MSc, MSc (MSR-Austria GmbH), Ing. Reinhold Holler (Landesweingut Silberberg), DI Edgar TIMM (Bundesfachschule Kälte Klima Technik), DI (FH) Lukas Lippert (Kommunalkredit Public Consulting GmbH), Harald Conrad (Westfalen Austria GmbH), Dr. Maria Purzner (Umweltbundesamt GmbH), Andreas Klaudus (Österreichische Gesellschaft der Kältetechnik ÖGKT), DI Dr. Johann Geyer (ENERTEC Naftz & Partner GmbH & Co KG)

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