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Newsartikel

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Raffinerien im Fokus

  •   10.11.2017
  •   Industry & Energy
  •   erstellt von TUEV AUSTRIA

TÜV AUSTRIA-Experten gewährleisten die Sicherheit von Raffinerien – national wie international

Bei Sicherheitsüberprüfungen von Industrieanlagen, Raffinerien und Kraftwerken nimmt die Inspektion von Behältern, Tanks und Rohrleitungen klarerweise eine ganz zentrale Stellung ein. Kein Wunder, muss das Material doch einiges aushalten: Unterschiedliche Drücke, massive emperaturschwankungen, verschiedenste Flüssigkeitskonsistenzen und noch einiges mehr.

Hier kommt die umfangreiche Expertise der TÜV AUSTRIA-Techniker ins Spiel, die sie ein weiteres Mal bei der gesetzlich vorgeschriebenen Generalinspektion (Turnaround) des petrochemischen Teils der Raffinerie Schwechat unter Beweis gestellt haben.

Dass das geballte Wissen und die akkurate praktische Umsetzung schnell abgerufen werden müssen, zeigt sich an den engen Zeithorizonten, die für die Komplettprüfungen von Raffinerien gesetzt werden, soll es doch zu keinen größeren Eingriffen in die Produktionsabläufe kommen. Bei der OMV-Raffinerie in Schwechat etwa wurde der Prüfungsprozess der Petrochemie von TÜV AUSTRIA von Mitte April bis Mitte Juni durchgezogen. Das erfolgt im „Vier-Augen-Prinzip“, wobei OMV- und TÜV AUSTRIA-Inspektoren eng zusammenarbeiten.

Gesetzliche Vorgaben
Behälter, Tanks, Rohrleitungen usw. von Raffinerien unterliegen einem gesetzlich geregelten Prüfmodus. Das Ziel ist klar, der Betrieb soll dauerhaft sicher ablaufen. Das soll durch unabhängige Inspektionen durch eine dritte Stelle wie dem TÜV AUSTRIA gewährleistet werden.


Diese gesamte gesetzlich vorgeschriebene Generalinspektion der Anlage hat eine riesige Menge an Spezialisten mit ihrer Expertise gebündelt. Laut OMV waren während des gesamten Turnarounds zusätzliche 3.500 Personen verschiedener Partnerfirmen – 200 davon mit Prüfen, Inspizieren, Warten und Reparieren – auf der Anlage beschäftigt. Das entspricht gemäß den Angaben etwa 820.000 Arbeitsstunden für alle Partnerunternehmen. Im Jahr 2016 wurde bereits der Bereich der  Treibstoffproduktion einer Generalprüfung unterzogen.

TÜV AUSTRIA hat für die Totalinspektion der Petrochemie in Schwechat laut Reinhard Preiss, Geschäftsfeldleiter International Industry & Energy, eine beträchtliche Anzahl qualifizierten Personals in der Raffinerie zusammengezogen. So wurden auch Kollegen aus Westösterreich und Deutschland mit Raffinerieerfahrung nach Niederösterreich geholt. Insgesamt waren über 30 hochspezialisierte Fachleute mit Zerstörungsfreien Prüfungen und Inspektionen beschäftigt, ergänzt Gerhard Höltmann, Geschäftsfeldleiter Österreich Industry & Energy.


Die beiden Experten weisen auf die Diversität der Prüf- und Inspektionsprozesse hin: „Prinzipiell muss man zwischen Prüfungen unterscheiden, die über das Jahr hinweg während des laufenden Betriebs durchgeführt werden und solchen, die im Rahmen von vorgegebenen Stopps oder Turnarounds konzentriert im großen Maßstab rasch abgewickelt werden.“ Das erklärt auch, warum die Zeitpläne bei einem Turnaround äußerst straff gesetzt sind und es eines derart großen Personaleinsatzes bedarf.

Da braucht es gute Planung im Vorfeld, damit die Abläufe exakt eingetaktet werden.
„Da braucht es gute Planung im Vorfeld, damit die Abläufe exakt eingetaktet werden“, erläutert Preiss. Schließlich stehen hinter derart großen Industrieanlagen vitale ökonomische Interessen. Die OMV setzt die gesetzlich vorgegebenen Risk Based Inspections (RBI) bei ihren Projekten ein. Damit sollen laut Höltmann „Überinspektionen“ verhindert werden. RBI spart auch einiges an Dokumentationsarbeit, da auf bereits bekannte Daten zurückgegriffen werden kann, deren Updates weniger Zeit in Anspruch nehmen, erläutert Höltmann. So wird der Aufwand reduziert, sodass das Hauptaugenmerk während des Turnarounds konzentriert auf die Anlagenbereiche mit den höchsten Risiken gelegt werden kann.

Internationale Prüftätigkeiten
TÜV AUSTRIA ist aber auch international regelmäßig bei Überprüfungen von Raffinerien engagiert. TÜV AUSTRIA Romania zum Beispiel nimmt immer wieder Zerstörungsfreie Prüfungs- und Inspektions-Aufträge im unterschiedlichen Ausmaß von rumänischen Anlagenbetreibern entgegen. „Es gibt wohl einige eigene Charakteristika bei den verschiedenen Raffinieren, die Basics sind aber quasi ident“, so Preiss zu den Unterschieden der diversen Anlagen.

Das Know-how der TÜV AUSTRIA-Inspektoren wird aber auch über Europa hinaus geschätzt. „Derzeit ist ein Team von TÜV AUSTRIA Romania bei einer Raffinerie in Israel im Einsatz. Wir haben den Zuschlag für einen Teil der Spezialprüfungen bekommen“, erklärt Preiss.

Werdegang zum akkreditierten Prüfer
Preiss und Höltmann erklären weiter, dass Zerstörungsfreie Prüfverfahren Tools sind, die Daten liefern, um bei der Inspektion – sie stellt die höhere, verantwortungsvollere Tätigkeit im Vergleich zum Prüfen dar – von Tanks, Rohren, Behältern usw. die Beurteilung zu unterstützen, ob und inwieweit Reparaturen nötig sind. TÜV AUSTRIA war zum Beispiel in Schwechat schwerpunktmäßig mit akkreditierten Inspektoren engagiert.

Bis akkreditierte Inspektoren bei Projekten wie der Raffinerie Schwechat eigenständig eingesetzt werden, müssen sie ein festgelegtes Ausbildungsprogramm durchlaufen, damit sie letztlich ihre Tätigkeit innerhalb des Qualitätsmanagementsystems des TÜV AUSTRA ausführen können.

Die notwendigen Ausbildungen und Kurse werden von externen Expertenorganisationen (z. B. International Welding Engineer) und teilweise von der TÜV AUSTRIA Akademie selbst angeboten. Ein ganz wichtiger Punkt dabei ist die Erfahrung. Daher begleiten angehende Prüfer über eine gewisse Zeit hinweg erfahrene Kollegen, um entsprechende Praxis zu sammeln. Für die endgültige Zulassung muss dann eine Prüfung abgelegt werden.

Kurzdefinition RBI
Risk Based Inspection (RBI) dient der Optimierung von Wartungsprozessen, die bei Inspektionen von Geräten wie Druckbehältern, Wärmetauschern und Rohrleitungen in Industrieanlagen wie zum Beispiel Raffinerien eingesetzt werden. RBI untersucht und bewertet die Sicherheit und das Geschäftsrisiko von „aktiven“ und „potenziellen“ Schadensmechanismen, um die Ausfallwahrscheinlichkeit und Konsequenz beurteilen zu können. Es dient damit der Ermittlung und Priorisierung von Risiken hinsichtlich eines Anlagenausfalls. Folgend sollen effektive Inspektionsmethoden und -häufigkeiten zur Minimierung des Risikos sowie zur Bewertung der definierten Inspektionsprogramme entwickelt werden. Letztlich sollen während des Anlagenstopps dann nur noch die wirklich notwendigen Prüfungen durchgeführt werden.

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