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Newsartikel

Feuer gefangen in Salzburg: Der TÜV AUSTRIA Brandschutztag 2018

  •   12.11.2018
  •   Marketing Life, Training & Certification Industry & Energy
  •   erstellt von TÜV AUSTRIA Akademie

Es reicht nicht das Feuer wieder einzufangen, wenn es ausgebrochen ist. Wichtig ist die Prävention – wie Brandschutzverantwortliche das Risiko eines Brandes verringern können, erklärten die Referenten am TÜV AUSTRIA Brandschutztag 2018.

110 Teilnehmer/innen am TÜV AUSTRIA Brandschutztag brannten im Oktober für ein Thema: dem rechtlichen, technischen und organisatorischen Brandschutz. Die Experten erklärten einen Tag lang die Regelwerke im Brandschutz und wie sie in den verschiedensten Brandschutzmaßnahmen Verwendung finden, um Menschenleben und Sachwerte im Unternehmen zu schützen.

Alles nur Fassade?

Wenn ein Raum brennt, kann das Feuer auf die Fassade übergreifen: Die Fenster brechen, der Brand wird in den nächsten Stock weitergeleitet und dringt dort in den nächsten Raum ein. Das lässt sich aber mit entsprechenden Fassadenelementen verhindern - Bmstr. DI Andreas Kloiber und DI Dieter Werner MSc. erläuterten in ihrem Vortrag, welche Brandschutzmaßnahmen zu welchem Fassadensystem passen und fokussierten sich dabei auf die Gebäudeklasse 4. Ihr Appell: Ein Klassifizierungsbericht, Unterlagen zur Ausführung und gegebenenfalls ein Prüfzeugnis helfen dabei, die Brandverhaltensklasse der Fassadenelemente festzustellen.

Anlagen richtig durchleuchten

Ein weiteres, probates Mittel, um dem Fehlerteufel auf die Spur zu kommen, ist die Thermografie, die vor allem in der Elektrotechnik zur Instandhaltung eingesetzt wird. Der Vorteil: Die Untersuchung verursacht keine Betriebsunterbrechung – punktuelle Schwächen können besser erkannt und rasch saniert werden. Regelmäßige Temperaturmessungen beispielsweise an Schalt- und Photovoltaikanlagen können Auffälligkeiten vorhersehen, bevor sie zu einem Ausfall oder Brand führen. Dabei kommt es aber auf die Anlage an, wie oft die Thermografie zum Einsatz kommen soll.

Sehen Sie es als Vorsorgeuntersuchung: Ein regelmäßiger Check beugt bösen Überraschungen vor!

Richtlinien für den Rauchstopp

Das Feuer und der Rauch, sie suchen sich ihren Weg – oft sind es die Lüftungsschächte, die den Rauch im Gebäude verteilen. Um das zu verhindern, werden Brandschutzklappen und Rauch- und Wärmeabzugsanlagen eingesetzt. Die Auswahl ist aber gar nicht so einfach, meinte Ing. Andreas Fragner in seinem Vortrag rund um den Brandschutz in Lüftungs- und Klimaanlagen. Brandschutzklappen müssen für den jeweiligen Einsatz klassifiziert werden. Die Feuerwiderstandsklassen sind in den OIB-Richtlinien nachzulesen.

Apropos Richtlinien: Fast schon traditionell stellte SV ing. Leo Ballek die Regelwerke im Brandschutz vor. Und die sind zahlreich: Die Rechtsprechung versucht jede noch so kleine Lücke zu schließen, die zu einem Großbrand führen könnte. Es gibt Richtlinien zu Fluchtwegen, zur Löschhilfe, zur Kennzeichnung der Fluchtwege. Es gibt Normen zu Bauprodukten, Brandmeldeanlagen, Starkstromanlagen. Die OIB-Richtlinien werden voraussichtlich 2019 angepasst: Sie regeln unter anderem die Ausbreitung von Feuer auf andere Bauwerke und die Ausbreitung von Feuer und Rauch innerhalb des Bauwerkes. Die Feuerpolizeigesetze sind je nach Bundesland teils unterschiedlich und betreffen die Lagerung brandgefährlicher Materialien und die Aufgaben und Ausbildung von Brandschutzorganen.

Im Notfall richtig gerüstet

Brandschutzbeauftragte übernehmen eine wichtige Funktion: Im Ernstfall verlässt sich die Feuerwehr darauf, dass sie ihren Job richtig gemacht haben. Erwin Gütl veranschaulichte am TÜV AUSTRIA Brandschutztag, wie Steigleitungen und Wandhydranten beschaffen sein sollten, damit die Feuerwehr im Notfall rasch eingreifen kann. Der Referent verwies außerdem auf die Führung eines Kontrollbuches und die jährlichen Überprüfungen – alle Mängel müssen instand gesetzt werden!

Weiter. Kommen. Auch im Brandfall.

Wenn ein Gebäude brennt, zählt für die Feuerwehr jede Sekunde. Feuerwehraufzüge können dabei helfen: Sie befördern die Feuerwehr in die oberen Stockwerke von Hochhäusern, die andererseits nur mit größtmöglicher Kraftanstrengung zu erreichen wären. Andere Aufzüge können das Risiko senken, dass Passagiere im Brandfall stecken bleiben: per automatischer oder manueller Rücksendeeinrichtung – der Aufzug fährt im Brandfall in eine vorgegebene, ungefährliche Position und verharrt dort. Die Grundprinzipien veranschaulichte Ing. Thomas Maldet, der auch auf die wiederkehrende Prüfung verwies: Die Wirksamkeit dieser Rücksendeeinrichtung sollte dabei ebenfalls getestet werden!

Fachübergreifend

Oft müssen Brandschutzbeauftragte mit anderen Fachbereichen kooperieren, um den Brandschutz im Betrieb zu gewährleisten. Wie Maschinensicherheit und Brandschutz Hand in Hand gehen, erzählte Manfred Schorn in seinem Vortrag über den Brandschutz bei Maschinen. Ganz leicht kann es nämlich passieren, dass der Anwender einer Maschine plötzlich zum Hersteller wird, zum Beispiel bei Veränderungen an der Maschine oder bei einer kombinierten Verwendung, die nicht vorgesehen war -  in diesem Fall trägt der Geschäftsführer bzw. der Brandschutzbeauftragte die Verantwortung. Manfred Schorn riet zu einer Risikoanalyse, um das Brandrisiko besser einschätzen zu können und die Brandschutzmaßnahmen zu steuern. Sein Appell: Lassen Sie sich in dem Bereich weiterbilden oder ziehen Sie eine externe Stelle zu Rate, um Risikoanalysen durchzuführen.

Neben den Fachvorträgen gab es am TÜV AUSTRIA Brandschutztag auch genügend Zeit, um mit Kolleg/innen zu netzwerken und mit den Ausstellern der kleinen Messe im Nebenraum zu fachsimpeln. Humoriges kam von Kabarettist Klaus Eckel, der mit Auszügen aus seinem neuesten Programm nach dem Mittagessen für Stimmung sorgte.

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