
Steigende Anforderungen, neue regulatorische Schwerpunkte und mehr Verantwortung in der Umsetzung: Diese fünf ESG-Trends prägen das Jahr 2026.
2026 bringt eine neue Dynamik im ESG-Umfeld. Regulatorische Rahmenbedingungen verändern sich, gleichzeitig steigen die Anforderungen von Markt und Stakeholdern. Unternehmen stehen vor der Herausforderung, Nachhaltigkeit stärker als bisher operativ zu verankern, und nicht nur zu dokumentieren. TÜV AUSTRIA Auditor:in Carmen Weinold und Markus Schneidergruber verraten Ihnen ihre top 5 ESG-Trends 2026.
1. Weniger Reporting – mehr echte Verantwortung
Mit den aktuellen „Omnibus“-Initiativen reduziert die EU in Teilen die Berichtspflichten. Trotzdem steigt der Druck an anderer Stelle deutlich. Neue Vorgaben wie die Packaging and Packaging Waste Regulation (PPWR), die Ecodesign-Verordnung (ESPR) sowie der Digital Product Passport verschieben den Fokus auf die Produkte selbst.
Gleichzeitig entwickeln sich mit Formaten wie „European Sustainability Reporting Standards light“ (ESRS light) oder dem Voluntary Sustainability Reporting (VSME)-Standard neue Ansätze für freiwillige ESG-Berichterstattung – mit wachsender Bedeutung für Marktanforderungen.
Was das bedeutet:
Nachhaltigkeit muss direkt in Produkte und Wertschöpfung integriert werden, reines Reporting reicht nicht mehr aus. Freiwillige, qualitativ hochwertige ESG-Daten gewinnen weiter an Bedeutung, etwa für Investoren, Banken und Kunden.
2. Lieferketten bleiben im Fokus – trotz regulatorischer Anpassungen
Auch wenn einzelne Richtlinien wie die Corporate Sustainability Due Diligence Directive (CSDDD) politisch abgeschwächt wurden, bleibt die Verantwortung entlang der Lieferkette bestehen.
Instrumente wie Carbon Border Adjustment Mechanism (CBAM), EU-Entwaldungsverordnung (EUDR) oder neue Biodiversitätsanforderungen greifen ineinander und sorgen weiterhin für hohen Handlungsdruck.
Was das bedeutet:
Lieferkettenrisiken verschwinden nicht – sie werden durch verschiedene Regulierungen abgebildet und müssen ganzheitlich gesteuert werden.
3. Greenwashing wird zum echten Risiko
Mit der kommenden „Empowering Consumers for the Green Transition“-Richtlinie (EmpCo) verschärft die EU den Umgang mit Umweltclaims deutlich. Aussagen wie „klimaneutral“ oder „nachhaltig“ müssen künftig klar belegbar sein.
Was das bedeutet:
Unternehmen stehen vor steigenden Anforderungen an Transparenz und Nachweisbarkeit – mit wachsendem Risiko für Reputationsschäden und regulatorische Konsequenzen.
4. ESG- und Umweltmanagement wachsen zusammen
Die Weiterentwicklung der ISO 14001 und die zunehmende Integration von ESG-Aspekten führen dazu, dass Umwelt- und Nachhaltigkeitsmanagementsysteme enger verzahnt werden.
Was das bedeutet:
Nachhaltigkeit gehört in die Managementsysteme und die strategische Steuerung – nicht in isolierte Einzelinitiativen. Gleichzeitig entstehen Chancen, Synergien zu nutzen und Prozesse effizienter zu gestalten.
5. Unternehmen übernehmen die Führung bei Klimaschutz und Dekarbonisierung
Während politische Instrumente teilweise an Dynamik verlieren oder neu diskutiert werden (z. B. im Kontext des European Union Emissions Trading System), steigen die Erwartungen von Kunden, Investoren und Finanzierungspartnern weiter.
Was das bedeutet:
Dekarbonisierung wird zunehmend zur strategischen Eigeninitiative, unabhängig vom regulatorischen Druck.
Weniger Bürokratie auf dem Papier – mehr Verantwortung in der Praxis
Die Entwicklungen im Jahr 2026 zeigen, dass ESG weniger durch formale Berichtspflichten geprägt wird. Vielmehr rücken konkrete Anforderungen an Produkte, Prozesse und Entscheidungen in den Vordergrund.
Unternehmen, die jetzt:
- ESG in ihre operativen Abläufe integrieren
- ihre Lieferketten systematisch verstehen und steuern
- und transparent sowie glaubwürdig kommunizieren
werden sich langfristig Wettbewerbsvorteile sichern.
Unsere Lösungen für Ihre ESG-Herausforderungen
Unabhängige Prüfung von ESG- und Nachhaltigkeitsberichten
Ein geprüfter ESG-Bericht schafft Vertrauen und sorgt für Klarheit gegenüber Stakeholdern. TÜV AUSTRIA unterstützt Sie mit einer unabhängigen Prüfung Ihrer Berichterstattung:
- Konformitätsprüfung nach ESRS, VSME oder European Union Emissions Trading System (GRI)
- Bewertung von Datenqualität und Prozessen
- Ausstellung eines offiziellen Prüfungsstatements
Damit stärken Sie Transparenz, Vergleichbarkeit und Glaubwürdigkeit, und schaffen eine belastbare Grundlage für Entscheidungen von Banken, Investoren und Geschäftspartnern.
Digitale ESG-Berichterstattung für KMU
Mit ESG by tami steht kleinen und mittleren Unternehmen eine strukturierte und effiziente Lösung für die ESG-Berichterstattung zur Verfügung:
- ESG-Berichte nach VSME-Standard
- geführter, digitaler Prozess zur Datenerfassung
- Plausibilitätsprüfung durch TÜV AUSTRIA
Die Plattform reduziert den administrativen Aufwand und ermöglicht eine verlässliche und nachvollziehbare Bereitstellung von ESG-Daten.
Glossar
PPWR (Packaging and Packaging Waste Regulation)
EU-Verordnung über Verpackungen und Verpackungsabfälle.
ESPR (Ecodesign for Sustainable Products Regulation)
EU-Verordnung für ökodesigngerechte und nachhaltige Produkte.
ESRS (European Sustainability Reporting Standards)
Europäische Standards zur Nachhaltigkeitsberichterstattung.
ESRS light
Vereinfachte Version der ESRS für weniger komplexe Berichtsanforderungen.
VSME (Voluntary Sustainability Reporting for SMEs)
Freiwilliger Nachhaltigkeitsberichtsstandard für kleine und mittlere Unternehmen.
CSDDD (Corporate Sustainability Due Diligence Directive)
EU-Richtlinie zur unternehmerischen Sorgfaltspflicht in Bezug auf Nachhaltigkeit in Lieferketten.
CBAM (Carbon Border Adjustment Mechanism)
EU-Mechanismus zur CO₂-Grenzausgleichsabgabe für importierte Waren.
EUDR (EU Deforestation Regulation)
EU-Verordnung zur Vermeidung von Entwaldung durch Lieferketten.
EmpCo (Empowering Consumers for the Green Transition Directive)
EU-Richtlinie zur Stärkung der Verbraucherrechte im Bereich nachhaltiger Konsumentscheidungen.
ETS (Emissions Trading System)
Emissionshandelssystem der EU zur Reduktion von Treibhausgasemissionen.
GRI (Global Reporting Initiative)
Internationaler Standard für Nachhaltigkeitsberichterstattung.